UNICEF zur Weltwasserwoche: Wassernot in Krisenländern

Women queue for water at dawn in the Protection of Civilians (PoC) site in Bentiu, South Sudan, Tuesday 2 May 2017. In collaboration with WASH Cluster partners, residents of the PoC sites continue to access safe water based on the Sphere Standards, and 331,387 conflict-affected people have been provided with access to safe water. 20170502 WASHBentiuPoC 6184

Internationale Weltwasserwoche: Mehr als 180 Millionen Menschen in Krisenländern ohne reguläre Trinkwasserversorgung

Kinder in fragilen Staaten sind viermal so häufig von einer regulären Wasserversorgung abgeschnitten, wie ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Hierauf weist UNICEF anlässlich der internationalen Weltwasserwoche hin, die am Sonntag in Stockholm begann. Mehr als 180 Millionen Menschen in Ländern, die von Konflikten, Gewalt und Instabilität betroffen sind, haben nur eingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

„Sauberes Wasser und sanitären Einrichtungen sind ein Recht und kein Privileg – vor allem in Konflikt- und Notsituationen”, sagte Sanjay Wijesekera, Leiter der weltweiten Wasserprogramme von UNICEF. „In Ländern, die von Krisen und Konflikten geprägt sind, muss die Versorgung von Kindern mit Wasser – einem der wichtigsten Lebensmittel – oberste Priorität haben.”

Nach einer aktuellen Analyse von UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation ist der Anteil der Menschen, die ihren Grundbedarf an Trinkwasser nur eingeschränkt decken können, in fragilen Staaten viermal so hoch wie in anderen Ländern. Von den schätzungsweise 484 Millionen Menschen, die 2015 in fragilen Staaten lebten, hatten 183 Millionen Menschen nur mangelnden Zugang zur grundlegenden Trinkwasserversorgung.

Im Jemen steht das Wasserversorgungsnetz in den größeren Städten nach zwei Jahren Bürgerkrieg vor dem Zusammenbruch. Ungefähr 15 Millionen Menschen sind bereits von einer regulären Wasserversorgung abgeschnitten. Abwässer werden vielfach nicht mehr aufbereitet.

In Syrien, wo der Konflikt bereits über sechs Jahre andauert, brauchen ebenfalls 15 Millionen Menschen sauberes Wasser, darunter schätzungsweise 6,4 Millionen Kinder. In dem Konflikt wurde Wasser immer wieder als Waffe benutzt: Allein im Jahr 2016 kam es zum Beispiel in Aleppo, Damaskus, Hama, Rakka und Daraa zu mindestens 30 Wassersperren, weil Wasserpumpen vorsätzlich zerstört oder Quellen kontaminiert wurden.

In Konfliktgebieten im Nordosten Nigerias wurden 75 Prozent der Wasser- und Abwasserversorgung beschädigt oder zerstört, wodurch 3,6 Millionen Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten sind. Im Südsudan, wo seit drei Jahren gekämpft wird, sind fast die Hälfte der Wasserstellen schadhaft oder vollständig zerstört.

„Wenn Kinder kein sauberes Trinkwasser haben und das Gesundheitssystem eines Landes in Trümmern liegt, sind Unterernährung und lebensbedrohliche Krankheiten wie Cholera die unweigerlichen Folgen”, sagte Wijesekera.

Im Jemen beispielsweise entfallen mehr als 53 Prozent der über 500.000 bislang bekannten Fälle von lebensgefährlichem Durchfall auf Kinder. Somalia leidet in den letzten fünf Jahren unter dem größten Ausbruch der Cholera, mit etwa 77.000 Erkrankungen. Und im Südsudan ist der Ausbruch der Cholera der schwerste, den das Land je erlebt hat, mit mehr als 19.000 Erkrankten seit Juni 2016.

In Nigeria, Somalia, Südsudan und Jemen verstärken sich Krankheiten durch verschmutztes Wasser und Mangelernährung gegenseitig. In diesen Ländern brauchen allein 14,6 Millionen Kinder, dringend sauberes Trinkwasser. Es wird geschätzt, dass dort in diesem Jahr mehr als fünf Millionen Kinder an akuter Mangelernährung leiden, 1,4 Millionen von ihnen so schwer, dass Lebensgefahr besteht, wenn ihnen nicht rasch geholfen wird.

Die Analyse „Progress on Drinking Water, Sanitation and Hygiene“ von UNICEF und der WHO ist abrufbar unter https://www.unicef.org/publications/files/Progress_on_Drinking_Water_Sanitation_and_Hygiene_2017.pdf

Auf der Weltwasserwoche vom 27.8.-1.9.17 in Stockholm suchen internationale Experten nach Wegen, um den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern http://www.worldwaterweek.org/

Beitragsfoto:© UNICEF/UN 068321/Hatcher-Moore