WASH als zentraler Bestandteil der Agenda 2030 – das SDG6

FSTP in Devanahalli, Bangalore, India, BORDA - Washing hands after desludging

Die Versorgung mit sauberem Wasser, die Entsorgung und Aufbereitung von Abwasser sowie die flächendeckende Verfügbarkeit von sanitärer Grundversorgung, zusammengefasst als WASH (Water, Sanitation and Hygiene), sind zentrale Bausteine für die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Dies wird nicht zuletzt durch die Formulierung eines explizit auf diese Problematik ausgerichteten Sustainable Development Goals, dem SDG 7 verdeutlicht. Gleichzeitig trägt die Erfüllung dieses Ziels zur besseren Erreichbarkeit einer Vielzahl weiterer SDG bei – Wasser ist somit ein grundlegendes Querschnittsthema der gesamten Agenda 2030.

Für uns in Deutschland ist der Zugang zu sauberen Wasser eine Selbstverständlichkeit: Drehen wir den Wasserhahn auf, fließt das Wasser in Hülle und Fülle – und das auch noch in bester, trinkbarer Qualität. Ebenso sind für uns eine funktionierende, flächendeckende und hygienische Sanitärversorgung nichts besonderes.

Allerdings ist es kein Geheimnis, dass dies weltweit alles andere als der Status Quo ist.

Dem aktuellen Bericht des Joint Monitoring Programms „Progress on drinking water, sanitation and hygiene: 2017 update and SDG baselines“ von WHO und UNICEF nach, haben auf der Welt zwar rund 5.2 Milliarden Menschen Zugang zu sauberen und sicheren Wasserquellen, was etwa 71 % der Weltbevölkerung entspricht. Jedoch haben immer noch mehr als 665 Millionen Menschen keinen Zugang zu einer optimierten Wasserversorgung. Davon müssen 175 Millionen sogar Oberflächenwasser nutzen um die grundlegendsten Bedürfnisse, wie Essen, Trinken und den Gang zur Toilette zu decken. Und da Wasserquellen – ob nun optimierter Art, wie Brunnen und Bohrlöcher oder auch Seen, Flüsse und Tümpel, meist nicht auf dem eigenen Grundstück oder in dessen Nähe zu finden sind, muss das Wasser Tag für Tag oftmals mehrere Kilometer herangeschleppt werden. Dies ist wiederrum meist die Arbeit von Frauen und Mädchen. Bestehende Geschlechterungerechtigkeiten werden so zementiert. Beispielsweise können Mädchen dann keine Schule besuchen, wodurch ihnen Bildungschancen und damit Entfaltungsmöglichkeiten verwehrt bleiben.

Ähnlich ernüchternd ist die globale Situation bei der Sanitärversorgung. Nur 39% der Weltbevölkerung – 2,9 Milliarden Menschen, haben den Zugang zu einer sauberen und sicheren Toilette. 2.3 Milliarden Menschen weltweit haben immer noch keinen Zugang zu angemessener sanitärer Grundversorgung. Dies bedeutet, sie nutzen rudimentärste Formen von Sanitäreinrichtungen wie Hänge- oder Grubenlatrinen, in welchen die Fäkalien gesammelt werden, ohne dass diese an ein Klär- oder Kanalnetz angeschlossen sind, durch welches die Fäkalien und Abwässer abtransportiert und gegebenenfalls auch aufbereitet werden könnten. Aus dieser großen Anzahl an Menschen müssen 892 Millionen Menschen ihre Notdurft immer noch im Freien verrichten – diverse Folgeprobleme sind dadurch vorprogrammiert: Da die Fäkalien an Ort und Stelle liegen bleiben, können sie in Kontakt mit Lebensmitteln und Trinkwasser geraten und von den Menschen so aufgenommen werden. Da vielerorts auch keine Möglichkeiten zum Händewaschen oder Seife vorhanden ist, können sich Keime und damit Krankheiten leicht und schnell ausbreiten. Wohingegen es für Männer als ein geringeres Problem erscheint, mal eben kurz in die Büsche zu verschwinden, ist die Situation für Frauen und Mädchen auch hier noch bedrückender: Viel zu oft sorgen kulturelle Tabus und Stigmatisierung oder die örtliche Beschaffenheit dafür, dass es Frauen und Mädchen verboten ist, sich tagsüber zu erleichtern. Nicht nur ist dies ein struktureller Akt körperlicher und psychischer Gewalt, sondern werden Frauen auch im vermeintlichen „Schutz der Dunkelheit“ leicht zu Opfern von körperlichen und sexuellen Übergriffen.

Dass es dringend gegen diese verschiedenen, oftmals jedoch eng zusammenhängenden Formen von Unrecht vorzugehen gilt, hat sich mittlerweile auch auf verschiedene Art auf der internationalen politischen Ebene durchgesetzt. Zunächst ist hier die Resolution 64/292 der Vereinten Nationen zu nennen, in der das „Recht auf Wasser und Sanitärversorgung“ als ein Menschenrecht festgeschrieben wird. Hierdurch wird ausgedrückt, dass das der Zugang zu sauberem Wasser und das Recht auf Sanitärversorgung grundlegend für einen angemessenen Lebensstandard ist und die Erfüllung dieses Menschenrechts gleichzeitig eine Vorrausetzung für die Umsetzung weitere Menschenrechte, etwa dem Menschenrecht auf Leben, dem Recht auf Nahrung und dem Schutz vor Hunger oder dem Recht auf Gesundheit. Da diesem Menschenrecht allerdings die rechtliche Bindung fehlt, sind ein nicht unerhebliches Maß an finanziellen Ressourcen und technischem Know-How sowie die gemeinsame Anstrengung aller Staaten erforderlich.

Die Wichtigkeit von Wasser und Sanitärversorgung für eine globale nachhaltige Entwicklung hat daher auch Eingang in die Agenda 2030 gefunden. Das Sustainable Development Goal  6 mitsamt seinen Teilzielen ist komplett auf diese Fragen ausgerichtet. E_SDG goals_icons-individual-rgb-06

Im Wortlaut liest sich dies folgendermaßen:

SDG 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser
und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.

6.1 Bis 2030 den allgemeinen und gerechten Zugang zu einwandfreiem und bezahlbarem Trinkwasser für alle erreichen

6.2 Bis 2030 den Zugang zu einer angemessenen und gerechten Sanitärversorgung und Hygiene für alle erreichen und der Notdurftverrichtung im Freien ein Ende setzen, unter besonderer Beachtung der Bedürfnisse von Frauen und Mädchen und von Menschen in prekären Situationen

6.3 Bis 2030 die Wasserqualität durch Verringerung der Verschmutzung, Beendigung des Einbringens und Minimierung der Freisetzung gefährlicher Chemikalien und Stoffe, Halbierung des Anteils unbehandelten Abwassers und eine beträchtliche Steigerung der Wiederaufbereitung und gefahrlosen Wiederverwendung weltweit verbessern

6.4 Bis 2030 die Effizienz der Wassernutzung in allen Sektoren wesentlich steigern und eine nachhaltige Entnahme und Bereitstellung von Süßwasser gewährleisten, um der Wasserknappheit zu begegnen und die Zahl der unter Wasserknappheit leidenden Menschen erheblich zu verringern

6.5 Bis 2030 auf allen Ebenen eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen umsetzen, gegebenenfalls auch mittels grenzüberschreitender Zusammenarbeit

6.6 Bis 2020 wasserverbundene Ökosysteme schützen und wiederherstellen, darunter Berge, Wälder, Feuchtgebiete, Flüsse, Grundwasserleiter und Seen

6.a Bis 2030 die internationale Zusammenarbeit und die Unterstützung der Entwicklungsländer beim Kapazitätsaufbau für Aktivitäten und Programme im Bereich der Wasser- und Sanitärversorgung ausbauen, einschließlich der Wassersammlung und -speicherung, Entsalzung, effizienten Wassernutzung, Abwasserbehandlung, Wiederaufbereitungs- und Wiederverwendungstechnologien

6.b Die Mitwirkung lokaler Gemeinwesen an der Verbesserung der Wasserbewirtschaftung und der Sanitärversorgung unterstützen und verstärken

In der Formulierung dieses Ziels und seinen diversen Unterzielen wird versucht, dem Facettenreichtum und Vielschichtigkeit der Rolle von Wasser für die Erfüllung einer globalen Nachhaltigen Entwicklung Rechnung zu tragen. Dies ist insofern ein Fortschritt, als dass Wasser und Sanitärversorgung  im SDG-Kanon ein eigenes Ziel eingeräumt wird und neben dem Trinkwasser auch das allzu oft vernachlässigte Abwasser beachtet wird – im Gegensatz wurde Trinkwasser bei den Millenium Development Goals nur als ein Teilaspekt des MDG 7 zu ökologischer Nachhaltigkeit gefasst.

Die Wichtigkeit der Erreichung des der Ziele von SDG 6 für eine erfolgreiche Umsetzung der ganzen Agenda 2030 zeigt sich durch die enge Verbundenheit die dieses Nachhaltigkeitsziel hat, bzw. dass seine Erfüllung manchmal sogar die Grundbedingung ist, um andere SDGs erfüllen zu könne.

So sind sauberes Wasser und eine angemessene Sanitärversorgung unerlässlich für eine gute Gesundheit durch alle Lebensphasen SDG 3 – Angefangen bei der Reduzierung der Kindersterblichkeit bis zur Eindämmung von epidemischen Krankheiten. Ebenfalls ist SDG auch eng mit dem SDG 4, der Gewährleistung von inklusiver, gleichberechtigter und hochwertiger Bildung und der Förderung von Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle verbunden, da es Kindern aufgrund von Krankheiten nicht möglich ist, die Schule zu besuchen. Offensichtlich ist auch die

Da weltweit überwiegend Frauen für die Trinkwasserversorgung und Nahrungszubereitung verantwortlich sind und für Frauen und Mädchen sich das Nichtvorhandensein von Toiletten bzw. deren ungenügende Verfügbarkeit noch gravierender auswirkt als für Männer und Jungs, sie gleichzeitig jedoch von der Mitbestimmung darüber, wie eine Wasser und Sanitätsversorgung gestaltet werden soll ausgeschlossen sind, ist eine Erfüllung von SDG 6 auch ein wichtiger Schritt in Richtung der Erreichung des SDG 5, der Verwirklichung von Geschlechtergleichstellung und Befähigung aller Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung. Nicht zu Letzt kann mittels Wasser auch Energie erzeugt werden, die im Sinne einer Kreislaufwirtschaft auch dazu genutzt werden kann, um verschmutztes Wasser aufzubereiten. Folglich ist das SDG 6 auch eng mit dem SDG 7 zu Erneuerbaren Energien verbunden.

Deutlich wird, dass einerseits noch große Diskrepanzen zwischen der Ist-Situation und den im SDG formulierten Zielen bestehen aber sich allerdings auch im nachhaltigen Umgang mit Wasser immense Potentiale verbergen, um einen Beitrag zu einem guten Leben für Menschen weltweit zu leisten.

Beitragsfoto: © BORDA

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