Wasser und Klimaschutz

Veröffentlicht von Wasserforum Bremen am

Pressemitteilung des WASSERFORUM Bremen vom 17.03.2020

Wirksamer Klimaschutz braucht einen nachhaltigen Umgang mit Wasser – global und lokal

Anlässlich des Weltwassertages am 22. März unter dem Motto „Wasser und Klimaschutz“ ruft das WASSERFORUM Bremen zu einem sorgsamen Umgang mit der Ressource Trinkwasser auf und appelliert an den Senat, mehr öffentliche Trinkwasserbrunnen zu bauen.

Es ist wenig verwunderlich, dass das Motto des diesjährigen Weltwassertages der Klimaschutz ist, prägen doch wenig andere Themen Öffentlichkeit und Medien so stark. Der Zusammenhang von Wasser und Klima ist dabei offensichtlich. Wer denkt, dass es in Bremen in der letzten Zeit viel regnete, täuscht sich. Nach zwei Hitzesommern und auch milden Wintern, ist es immer noch zu trocken in den tieferen Erdschichten.

Trockenheit ist eines der Phänomene aus dem Wechselspiel von Klima und Wasser, das global zunimmt. Mit gravierenden Folgen, wenn man den Blick etwa auf das zentralafrikanische Sambia legt. Im Vergleich zum Rest der Welt steigen dort die Temperaturen etwa doppelt so schnell an. 2019 lag der saisonale Niederschlag in Sambia auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 40 Jahren. Mit gravierenden Auswirkungen für die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Existenzgrundlage eines Großteils der Bevölkerung. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist folglich auch eines der Hauptprobleme. Fabio Nicoletti von der in Bremen ansässigen NGO BORDA weiß: „Nicht nur Umwelteinflüsse wirken sich auf unsere Wasserressourcen aus, auch die Verschmutzung und nicht Wiederaufbereitung von Wasser führen in Ländern wie Sambia zur Verknappung der lebenswichtigen Ressource.“

Wasser ist ein kostabres Gut. Und an vielen Orten der Welt nur über Grundwasserbrunnen verfügbar. Der Klimawandel wirkt sich jedoch auf den grundwasserspiegel aus, so dass diese Quellen drohen zu versiegen.

Die deutsche Politik muss im Rahmen ihrer Unterstützungszusagen bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens also besonders den Zusammenhang von Klima und Wasser und vor allem die Sanitärversorgung beachten, wie es z. B. auch unter Ziel 6 (Wasser und Sanitärversorgung für alle) in den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Agenda 2030) gefordert wird.

Warum dies wichtig ist, erklärt Birgit Lange-Ebeling von UNICEF Bremen: „Verschmutztes Wasser ist in vielen Teilen der Welt immer noch eine der Haupttodesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Darüber hinaus erleiden besonders Länder ohne flächendeckenden Zugang zu sauberem Trinkwasser ökonomische Verluste durch Gesundheitskosten, die durch von verunreinigtem Wasser ausgelöste Krankheiten entstehen.“ Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Sanitärversorgung ist somit Grundlage dafür, dass Volkwirtschaften Menschen aus eigener Kraft in Wohlstand bringen und auch klimarelevante Missstände angegangen werden können.

Dazu beitragen können auch wir hier in Deutschland, denn pro Kopf verbraucht jede*r in Deutschland etwa 4.000 Liter Süßwasser in Form von virtuellem Wasser am Tag. Mehr als die Hälfte dieses Wassers stammt nicht aus Deutschland, sondern ist importiert. Gerade gängige Produkte aus Ländern des globalen Südens, wie Kakao, Kaffee, Bananen, aber auch der Abbau von Mineralien und Erzen, verbrauchen und verschmutzen immense Mengen Wasser. Viele jener Länder leiden bereits aufgrund der natürlichen Gegebenheiten unter Wasserstress. Kommen zu den nun immer bemerkbareren Klimaveränderungen noch unser Hunger nach Rohstoffen und Südfrüchten hinzu, wird so eine Abwärtsspirale aus Umweltzerstörung, Landflucht und Armut in Gang gesetzt, die sich nur schwer aufhalten lässt. Randy Haubner vom Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz) sagt dazu: „Wir haben zum Teil selbst in der Hand, wie viel virtuelles Wasser wir verbrauchen. Das beginnt beim Einkauf im Supermarkt mit der Entscheidung für regionales, saisonales und ökologisch angebautes Gemüse und geht weiter beim Kauf von z. B. ökofairer Kleidung. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre auch die Umsetzung eines Lieferkettengesetztes. Denn durch die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards würden nicht nur Menschen vor Ausbeutung, sondern auch Wasser vor Verschmutzung geschützt.“

Hoher Wasserstand in Bremen. Effektiver Deichschutz wird für die Zukunft wichtiger, da die Hochwassergefahr zunimmt.

Neben den rund 4000 Litern virtuellem Wasser erscheinen die durchschnittlich 118 Liter an direktem, täglichem Wasserverbrauch jede*r Bremer*in gering. Doch auch in Bremen ist Trinkwasser eine endliche Ressource, mit der sorgsam umgegangen werden sollte. Spürbar wurde dies bereits in den letzten zwei Hitzesommern. Neben der Belastung durch extreme Trockenheit gibt es eine Reihe weiterer Gründe, die eigenen Grundwasservorkommen zu schützen und die vorhandenen Wasserressourcen nachhaltig zu bewirtschaften. Da nur etwa 15 bis 16 Prozent des in der Stadt Bremen verbrauchten Trinkwassers aus Brunnen im Stadtgebiet stammen, sorgt der Durst der Stadt dafür, dass die Fördergebiete im niedersächsischen Umland zum Teil übernutzt werden, was vor Ort zu ökologischen Schäden führt. Rund um das Fördergebiet am Wasserwerk Panzenberg bei Verden sanken die Grundwasserstände bereits so stark, dass der Halsebach regelmäßig für mehrere Monate im Jahr austrocknet und z. B. Baumbestände unter dem abgesunkenen Grundwasserspiegel leiden. Ein weiteres Beispiel ist, dass in den niedersächsischen Fördergebieten an vielen Stellen eine nicht unerhebliche Nitratbelastung des Grundwassers durch stickstoffhaltige Dünger in der Landwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen wird. „Langfristig wird dies dazu führen, dass die Aufbereitung von Trinkwasser kostenintensiver wird, da Nitrat in großen Mengen gesundheitsschädlich ist“, prognostiziert Katharina Müller vom BUND Bremen. „Nichtsdestotrotz ist Leitungswasser das bestgeschützte und kontrollierte Lebensmittel in Deutschland, hat oft eine bessere Qualität als Flaschenwasser und auch einen deutlich geringeren CO²-Fußabdruck“, weiß Annegret Reinecke von Robin Wood. Ein Grund, warum auch im öffentlichen Bereich mehr Trinkwasserbrunnen entstehen sollten, sodass Einzelpersonen verstärkt auf Trinkwasser aus der Leitung statt auf Flaschenwasser zurückgreifen können. So könnten Bürger*innen nicht nur ihren CO2-Fußabdruck, sondern auch ihren Konsum von virtuellem Wasser verringern und die Ressource Trinkwasser vor Ort bestmöglich nutzen.

Das WASSERFORUM Bremen ist ein Zusammenschluss aus Bremer Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. Es informiert zu verschiedenen Themen rund um das Thema Wasser, macht auf Problemlagen aufmerksam und zeigt mögliche Alternativen für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser auf – lokal und global.

Katharina Müller, BUND Bremen, katharina.mueller@bund-bremen.net, 0421 79 00 244

Fabio Nicoletti, BORDA, nicoletti@borda.org , 0421 40 89 52 – 32

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