Aktionen 2017

September 2017

WASH als zentraler Bestandteil der Agenda 2030 – das SDG6

Die Versorgung mit sauberem Wasser, die Entsorgung und Aufbereitung von Abwasser sowie die flächendeckende Verfügbarkeit von sanitärer Grundversorgung, zusammengefasst als WASH (Water, Sanitation and Hygiene), sind zentrale Bausteine für die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Dies wird nicht zuletzt durch die Formulierung eines explizit auf diese Problematik ausgerichteten Sustainable Development Goals, dem SDG 7 verdeutlicht. Gleichzeitig trägt die Erfüllung dieses Ziels zur besseren Erreichbarkeit einer Vielzahl weiterer SDG bei – Wasser ist somit ein grundlegendes Querschnittsthema der gesamten Agenda 2030.

Für uns in Deutschland ist der Zugang zu sauberen Wasser eine Selbstverständlichkeit: Drehen wir den Wasserhahn auf, fließt das Wasser in Hülle und Fülle – und das auch noch in bester, trinkbarer Qualität. Ebenso sind für uns eine funktionierende, flächendeckende und hygienische Sanitärversorgung nichts besonderes.

Allerdings ist es kein Geheimnis, dass dies weltweit alles andere als der Status Quo ist.

Dem aktuellen Bericht des Joint Monitoring Programms „Progress on drinking water, sanitation and hygiene: 2017 update and SDG baselines“ von WHO und UNICEF nach, haben auf der Welt zwar rund 5.2 Milliarden Menschen Zugang zu sauberen und sicheren Wasserquellen, was etwa 71 % der Weltbevölkerung entspricht. Jedoch haben immer noch mehr als 665 Millionen Menschen keinen Zugang zu einer optimierten Wasserversorgung. Davon müssen 175 Millionen sogar Oberflächenwasser nutzen um die grundlegendsten Bedürfnisse, wie Essen, Trinken und den Gang zur Toilette zu decken. Und da Wasserquellen – ob nun optimierter Art, wie Brunnen und Bohrlöcher oder auch Seen, Flüsse und Tümpel, meist nicht auf dem eigenen Grundstück oder in dessen Nähe zu finden sind, muss das Wasser Tag für Tag oftmals mehrere Kilometer herangeschleppt werden. Dies ist wiederrum meist die Arbeit von Frauen und Mädchen. Bestehende Geschlechterungerechtigkeiten werden so zementiert. Beispielsweise können Mädchen dann keine Schule besuchen, wodurch ihnen Bildungschancen und damit Entfaltungsmöglichkeiten verwehrt bleiben.

Ähnlich ernüchternd ist die globale Situation bei der Sanitärversorgung. Nur 39% der Weltbevölkerung – 2,9 Milliarden Menschen, haben den Zugang zu einer sauberen und sicheren Toilette. 2.3 Milliarden Menschen weltweit haben immer noch keinen Zugang zu angemessener sanitärer Grundversorgung. Dies bedeutet, sie nutzen rudimentärste Formen von Sanitäreinrichtungen wie Hänge- oder Grubenlatrinen, in welchen die Fäkalien gesammelt werden, ohne dass diese an ein Klär- oder Kanalnetz angeschlossen sind, durch welches die Fäkalien und Abwässer abtransportiert und gegebenenfalls auch aufbereitet werden könnten. Aus dieser großen Anzahl an Menschen müssen 892 Millionen Menschen ihre Notdurft immer noch im Freien verrichten – diverse Folgeprobleme sind dadurch vorprogrammiert: Da die Fäkalien an Ort und Stelle liegen bleiben, können sie in Kontakt mit Lebensmitteln und Trinkwasser geraten und von den Menschen so aufgenommen werden. Da vielerorts auch keine Möglichkeiten zum Händewaschen oder Seife vorhanden ist, können sich Keime und damit Krankheiten leicht und schnell ausbreiten. Wohingegen es für Männer als ein geringeres Problem erscheint, mal eben kurz in die Büsche zu verschwinden, ist die Situation für Frauen und Mädchen auch hier noch bedrückender: Viel zu oft sorgen kulturelle Tabus und Stigmatisierung oder die örtliche Beschaffenheit dafür, dass es Frauen und Mädchen verboten ist, sich tagsüber zu erleichtern. Nicht nur ist dies ein struktureller Akt körperlicher und psychischer Gewalt, sondern werden Frauen auch im vermeintlichen „Schutz der Dunkelheit“ leicht zu Opfern von körperlichen und sexuellen Übergriffen.

Dass es dringend gegen diese verschiedenen, oftmals jedoch eng zusammenhängenden Formen von Unrecht vorzugehen gilt, hat sich mittlerweile auch auf verschiedene Art auf der internationalen politischen Ebene durchgesetzt. Zunächst ist hier die Resolution 64/292 der Vereinten Nationen zu nennen, in der das „Recht auf Wasser und Sanitärversorgung“ als ein Menschenrecht festgeschrieben wird. Hierdurch wird ausgedrückt, dass das der Zugang zu sauberem Wasser und das Recht auf Sanitärversorgung grundlegend für einen angemessenen Lebensstandard ist und die Erfüllung dieses Menschenrechts gleichzeitig eine Vorrausetzung für die Umsetzung weitere Menschenrechte, etwa dem Menschenrecht auf Leben, dem Recht auf Nahrung und dem Schutz vor Hunger oder dem Recht auf Gesundheit. Da diesem Menschenrecht allerdings die rechtliche Bindung fehlt, sind ein nicht unerhebliches Maß an finanziellen Ressourcen und technischem Know-How sowie die gemeinsame Anstrengung aller Staaten erforderlich.

Die Wichtigkeit von Wasser und Sanitärversorgung für eine globale nachhaltige Entwicklung hat daher auch Eingang in die Agenda 2030 gefunden. Das Sustainable Development Goal  6 mitsamt seinen Teilzielen ist komplett auf diese Fragen ausgerichtet. E_SDG goals_icons-individual-rgb-06

Im Wortlaut liest sich dies folgendermaßen:

SDG 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser
und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.

6.1 Bis 2030 den allgemeinen und gerechten Zugang zu einwandfreiem und bezahlbarem Trinkwasser für alle erreichen

6.2 Bis 2030 den Zugang zu einer angemessenen und gerechten Sanitärversorgung und Hygiene für alle erreichen und der Notdurftverrichtung im Freien ein Ende setzen, unter besonderer Beachtung der Bedürfnisse von Frauen und Mädchen und von Menschen in prekären Situationen

6.3 Bis 2030 die Wasserqualität durch Verringerung der Verschmutzung, Beendigung des Einbringens und Minimierung der Freisetzung gefährlicher Chemikalien und Stoffe, Halbierung des Anteils unbehandelten Abwassers und eine beträchtliche Steigerung der Wiederaufbereitung und gefahrlosen Wiederverwendung weltweit verbessern

6.4 Bis 2030 die Effizienz der Wassernutzung in allen Sektoren wesentlich steigern und eine nachhaltige Entnahme und Bereitstellung von Süßwasser gewährleisten, um der Wasserknappheit zu begegnen und die Zahl der unter Wasserknappheit leidenden Menschen erheblich zu verringern

6.5 Bis 2030 auf allen Ebenen eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen umsetzen, gegebenenfalls auch mittels grenzüberschreitender Zusammenarbeit

6.6 Bis 2020 wasserverbundene Ökosysteme schützen und wiederherstellen, darunter Berge, Wälder, Feuchtgebiete, Flüsse, Grundwasserleiter und Seen

6.a Bis 2030 die internationale Zusammenarbeit und die Unterstützung der Entwicklungsländer beim Kapazitätsaufbau für Aktivitäten und Programme im Bereich der Wasser- und Sanitärversorgung ausbauen, einschließlich der Wassersammlung und -speicherung, Entsalzung, effizienten Wassernutzung, Abwasserbehandlung, Wiederaufbereitungs- und Wiederverwendungstechnologien

6.b Die Mitwirkung lokaler Gemeinwesen an der Verbesserung der Wasserbewirtschaftung und der Sanitärversorgung unterstützen und verstärken

In der Formulierung dieses Ziels und seinen diversen Unterzielen wird versucht, dem Facettenreichtum und Vielschichtigkeit der Rolle von Wasser für die Erfüllung einer globalen Nachhaltigen Entwicklung Rechnung zu tragen. Dies ist insofern ein Fortschritt, als dass Wasser und Sanitärversorgung  im SDG-Kanon ein eigenes Ziel eingeräumt wird und neben dem Trinkwasser auch das allzu oft vernachlässigte Abwasser beachtet wird – im Gegensatz wurde Trinkwasser bei den Millenium Development Goals nur als ein Teilaspekt des MDG 7 zu ökologischer Nachhaltigkeit gefasst.

Die Wichtigkeit der Erreichung des der Ziele von SDG 6 für eine erfolgreiche Umsetzung der ganzen Agenda 2030 zeigt sich durch die enge Verbundenheit die dieses Nachhaltigkeitsziel hat, bzw. dass seine Erfüllung manchmal sogar die Grundbedingung ist, um andere SDGs erfüllen zu könne.

So sind sauberes Wasser und eine angemessene Sanitärversorgung unerlässlich für eine gute Gesundheit durch alle Lebensphasen SDG 3 – Angefangen bei der Reduzierung der Kindersterblichkeit bis zur Eindämmung von epidemischen Krankheiten. Ebenfalls ist SDG auch eng mit dem SDG 4, der Gewährleistung von inklusiver, gleichberechtigter und hochwertiger Bildung und der Förderung von Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle verbunden, da es Kindern aufgrund von Krankheiten nicht möglich ist, die Schule zu besuchen. Offensichtlich ist auch die

Da weltweit überwiegend Frauen für die Trinkwasserversorgung und Nahrungszubereitung verantwortlich sind und für Frauen und Mädchen sich das Nichtvorhandensein von Toiletten bzw. deren ungenügende Verfügbarkeit noch gravierender auswirkt als für Männer und Jungs, sie gleichzeitig jedoch von der Mitbestimmung darüber, wie eine Wasser und Sanitätsversorgung gestaltet werden soll ausgeschlossen sind, ist eine Erfüllung von SDG 6 auch ein wichtiger Schritt in Richtung der Erreichung des SDG 5, der Verwirklichung von Geschlechtergleichstellung und Befähigung aller Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung. Nicht zu Letzt kann mittels Wasser auch Energie erzeugt werden, die im Sinne einer Kreislaufwirtschaft auch dazu genutzt werden kann, um verschmutztes Wasser aufzubereiten. Folglich ist das SDG 6 auch eng mit dem SDG 7 zu Erneuerbaren Energien verbunden.

Deutlich wird, dass einerseits noch große Diskrepanzen zwischen der Ist-Situation und den im SDG formulierten Zielen bestehen aber sich allerdings auch im nachhaltigen Umgang mit Wasser immense Potentiale verbergen, um einen Beitrag zu einem guten Leben für Menschen weltweit zu leisten.

Beitragsfoto: © BORDA

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August 2017

UNICEF zur Weltwasserwoche: Wassernot in Krisenländern

Internationale Weltwasserwoche: Mehr als 180 Millionen Menschen in Krisenländern ohne reguläre Trinkwasserversorgung

Kinder in fragilen Staaten sind viermal so häufig von einer regulären Wasserversorgung abgeschnitten, wie ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Hierauf weist UNICEF anlässlich der internationalen Weltwasserwoche hin, die am Sonntag in Stockholm begann. Mehr als 180 Millionen Menschen in Ländern, die von Konflikten, Gewalt und Instabilität betroffen sind, haben nur eingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

„Sauberes Wasser und sanitären Einrichtungen sind ein Recht und kein Privileg – vor allem in Konflikt- und Notsituationen”, sagte Sanjay Wijesekera, Leiter der weltweiten Wasserprogramme von UNICEF. „In Ländern, die von Krisen und Konflikten geprägt sind, muss die Versorgung von Kindern mit Wasser – einem der wichtigsten Lebensmittel – oberste Priorität haben.”

Nach einer aktuellen Analyse von UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation ist der Anteil der Menschen, die ihren Grundbedarf an Trinkwasser nur eingeschränkt decken können, in fragilen Staaten viermal so hoch wie in anderen Ländern. Von den schätzungsweise 484 Millionen Menschen, die 2015 in fragilen Staaten lebten, hatten 183 Millionen Menschen nur mangelnden Zugang zur grundlegenden Trinkwasserversorgung.

Im Jemen steht das Wasserversorgungsnetz in den größeren Städten nach zwei Jahren Bürgerkrieg vor dem Zusammenbruch. Ungefähr 15 Millionen Menschen sind bereits von einer regulären Wasserversorgung abgeschnitten. Abwässer werden vielfach nicht mehr aufbereitet.

In Syrien, wo der Konflikt bereits über sechs Jahre andauert, brauchen ebenfalls 15 Millionen Menschen sauberes Wasser, darunter schätzungsweise 6,4 Millionen Kinder. In dem Konflikt wurde Wasser immer wieder als Waffe benutzt: Allein im Jahr 2016 kam es zum Beispiel in Aleppo, Damaskus, Hama, Rakka und Daraa zu mindestens 30 Wassersperren, weil Wasserpumpen vorsätzlich zerstört oder Quellen kontaminiert wurden.

In Konfliktgebieten im Nordosten Nigerias wurden 75 Prozent der Wasser- und Abwasserversorgung beschädigt oder zerstört, wodurch 3,6 Millionen Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten sind. Im Südsudan, wo seit drei Jahren gekämpft wird, sind fast die Hälfte der Wasserstellen schadhaft oder vollständig zerstört.

„Wenn Kinder kein sauberes Trinkwasser haben und das Gesundheitssystem eines Landes in Trümmern liegt, sind Unterernährung und lebensbedrohliche Krankheiten wie Cholera die unweigerlichen Folgen”, sagte Wijesekera.

Im Jemen beispielsweise entfallen mehr als 53 Prozent der über 500.000 bislang bekannten Fälle von lebensgefährlichem Durchfall auf Kinder. Somalia leidet in den letzten fünf Jahren unter dem größten Ausbruch der Cholera, mit etwa 77.000 Erkrankungen. Und im Südsudan ist der Ausbruch der Cholera der schwerste, den das Land je erlebt hat, mit mehr als 19.000 Erkrankten seit Juni 2016.

In Nigeria, Somalia, Südsudan und Jemen verstärken sich Krankheiten durch verschmutztes Wasser und Mangelernährung gegenseitig. In diesen Ländern brauchen allein 14,6 Millionen Kinder, dringend sauberes Trinkwasser. Es wird geschätzt, dass dort in diesem Jahr mehr als fünf Millionen Kinder an akuter Mangelernährung leiden, 1,4 Millionen von ihnen so schwer, dass Lebensgefahr besteht, wenn ihnen nicht rasch geholfen wird.

Die Analyse „Progress on Drinking Water, Sanitation and Hygiene“ von UNICEF und der WHO ist abrufbar unter https://www.unicef.org/publications/files/Progress_on_Drinking_Water_Sanitation_and_Hygiene_2017.pdf

Auf der Weltwasserwoche vom 27.8.-1.9.17 in Stockholm suchen internationale Experten nach Wegen, um den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern http://www.worldwaterweek.org/

Beitragsfoto:© UNICEF/UN 068321/Hatcher-Moore

Water loves fairness:

Das Wasserforum Bremen stellt ganz neu auf einer Postkarte vor, welche Bandbreite das Thema Wasser haben kann. Einige „Wahrheiten“ können Sie dort entdecken! Auf der Rückseite gibt es den Hinweis auf eine unserer Veranstaltungen und zu unserem Thema „Wasser“. Schauen Sie mal:
So wird die Karte öffentlich ausliegen, nehmen Sie sie gern mit.

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Woher kommt das Nitratproblem im Grundwasser?

Stickstoff, ein Hauptbestandteil des Nitrats, ist ein wichtiger Pflanzendünger. Allerdings wird er in Deutschland über Kunstdünger, Gülle und Mist in viel zu hohem Maß auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Höchstmögliche Erträge sind das Ziel. In belasteten Regionen ist in Folge fortschreitender Konzentration der Tierhaltung und der Ausweitung des Maisanbaus für die Biogaserzeugung oft eine Zunahme der Gewässerbelastung durch nicht von den Pflanzen aufgenommenes Nitrat zu erkennen. Viele Böden besitzen zwar die Fähigkeit, Nitrat auf diese Weise einzubinden, bevor es das Grundwasser erreicht. Dieses Vermögen ist aber endlich.

Das überschüssige Nitrat sickert in Flüsse – landet damit auch im Meer – und ins Grundwasser. 36 % der Grundwasserkörper in Deutschland verfehlen den von der EU geforderten „Guten Zustand“, 27 % davon wegen der zu hohen Nitratwerte von 50 mg Nitrat pro Liter als Grenzwert.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen geht davon aus, dass eine Halbierung der Stickstoffeinträge in Deutschland und der EU notwendig wären, um nationale und internationale Umweltziele zu erreichen. Die landwirtschaftliche Praxis hat da einen hohen Nachholbedarf. Neben ökologischen Schäden durch zu hohe Nitratwerte im Wasser und Boden wird auch in absehbarer Zeit die Qualität unseres Trinkwassers zum gesunden Lebensmittel zu einem immer wichtigeren Thema werden.

Da ein großer Anteil unseres Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen wird, drohen gesundheitliche Probleme durch hohe Nitratgehalte. Sie können für Kleinkinder gefährlich werden. Wenn sie stark nitrathaltiges Wasser zu sich nehmen, kann das zu Sauerstoffmangel im Blut führen. Außerdem kann eine Verbindung mit Eiweißen Nitrosamine entstehen lassen, die als krebserregend gelten. Mehrere Wasserwerke müssen inzwischen Brunnen mit hohem Nitratgehalt aufgeben oder es aus noch tieferen Regionen fördern, in denen das Nitrat noch nicht angekommen ist.

Die Kosten dafür sind ein Problem auf der Palette.

Lesen Sie hierzu die Pressemitteilung aus dem Umweltbundesamt.

BUND fordert Bremen zu nachhaltiger Trinkwasserversorgung auf

„Bremens Trinkwasser ist von hervorragender Qualität. Allerdings ist die Bremer Trinkwasserversorgung nicht nachhaltig“, findet BUND Geschäftsführer Martin Rode. Sie beruht überwiegend auf Trinkwasserlieferungen aus wenigen niedersächsischen Quellen. Dort werden z.T. so große Wassermengen entnommen, dass massive Schäden in der Landschaft entstehen. Besonders im Verdener Fördergebiet Panzenberg wird seit Jahrzehnten ein Vielfaches der verträglichen Menge entnommen. Doch statt die Entnahmemengen in verträgliche Größenordnungen zurückzufahren, wird auf gute Geschäftsbeziehungen und langfristige Lieferverträge gesetzt. Eine nachhaltige Wasserversorgung Bremens braucht daher eine neue Strategie und eine breitere Streuung der Bezugsquellen. Mehr Bezugsquellen sind sinnvoll, um die Risiken zu minimieren, die mit zunehmender Grundwasserbelastung durch Nitrat und Pestizidrückstände verbunden sind und um Förderkapazitäten einzelner Standorte nicht zu überreizen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es Grundwasserbrunnen gibt, deren Fördermenge nicht genutzt wird, z.B. in Bremerhaven. Die Seestadt versorgt sich selbst mit Wasser aus dem direkten Umfeld. Aber es entstehen zusehends Probleme nach dem Schließen von Trinkwasserbrunnen, wenn in der Folge der Grundwasserspiegel in Wohngebieten ansteigt und Keller vernässen. Wenn also in Bremerhaven zu viel Wasser für die Eigenversorgung zur Verfügung steht und in Bremen zu wenig, sollte hier ein Ausgleich hergestellt werden. Eine ähnliche Situation gibt es in Delmenhorst.

Etwas weniger als ein Fünftel der Trinkwasserversorgung Bremens kommt aus Brunnen in Bremen Nord – immerhin. Diese zu sichern, muss dennoch erste Hausaufgabe des Senats sein. Aber die Brunnen in Vegesack verfügen nicht über eine hinreichende Trinkwasserschutzzone. „Dieser unhaltbare Zustand muss noch in dieser Legislaturperiode abgestellt werden. Schließlich geht es um unser kostbarstes Lebensmittel“, so Martin Rode.  Im Gegensatz dazu sind die Brunnen in Blumenthal mittlerweile trotz des jahrelangen Widerstands einiger Industriebetriebe mit einer großen Trinkwasserschutzzone ausgestattet. Dennoch bleibt die latente Gefahr, die seit Jahren von der Grundwasserverschmutzung durch das Tanklager Farge ausgeht.

Der BUND fordert den Senat auf, endlich eine neue Trinkwasserstrategie für Bremen zu entwickeln, die auf drei Säulen steht. Dazu zählt, den Trinkwasserverbrauch weiter zu verringern, die eigenen Trinkwasserbrunnen optimal zu schützen und die Trinkwasserversorgung aus Niedersachsen so aufzustellen, dass in den dortigen Fördergebieten durch die Trinkwassergewinnung für Bremen kein Schaden entsteht.

Mai 2017

Rückblick: 10. Mai 2017 „Mit allen Wassern gewaschen“ – Improtheater

„Mit allen Wassern gewaschen“ – das war das Motto der Veranstaltung des Wasserforums Bremen in Kooperation mit dem AMS-Improtheater (Gruppe: Frauen auf See) im Kukoon. Rund 60 Theaterbesucher*innen kamen und freuten sich über die improvisierte Kunst des Theaterspielens rund um Wasserthemen. Ziel war es, über den nachhaltigen Umgang mit Wasser – lokal und global – zu informieren. Zu Beginn wurden im Rahmen einer Power-Point-Karaoke die Themen „WasserKONSUM weltweit“, „Wassermangel“, „Abwasseraufbereitung“, „Wassersparen“ und „Wasser in Bremen“ zunächst szenisch und improvisiert dargestellt, um sie später mit den Inhalten und Aussagen des Wasserforums Bremen zu ergänzen. Im zweiten Teil der Veranstaltung konnten die Besucher*innen ihre Assoziation zum Motto aufschreiben. Diese wurden von der Theatercrew aufgegriffen und in die Show integriert. Am Infotisch des Wasserforums konnten sich die Besucher*innen über die Aktivitäten informieren und Vertreter*innen standen für Fragen zur Verfügung. Eine gute Veranstaltung … es wurde gelacht, nachgedacht, informiert.

Videoausschnitt der Veranstaltung

Power Point Karaoke

März 2017

Verschmutztes Wasser – tödliche Gefahr für Kinder

UNICEF: 27 Millionen Menschen in den Hungergebieten in Afrika und im Jemen haben kein sauberes Wasser

Schwer mangelernährte Kinder im Nordosten Nigerias, Somalia, Südsudan und Jemen sind zusätzlich durch Wasserknappheit, unhygienische Lebensbedingungen und Krankheiten bedroht. In den Hungerregionen beziehen nach Angaben von UNICEF fast 27 Millionen Menschen Trinkwasser aus unsauberen Quellen. Die Folge sind Durchfallerkrankungen, die für mangelernährte Kinder tödlich sein können.

Im Nordosten Nigerias sind in den Konfliktgebieten 75 Prozent der Wasser- und Sanitärversorgung zerstört. Hierdurch haben 3,8 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Über 400 Gesundheitseinrichtungen wurden im Bundestaat Borno zerstört, so dass viele Kranke ohne jede Hilfe sind.

 In Somalia benötigt rund ein Drittel der Bevölkerung – also 4,5 Millionen Menschen – dringend Zugang zu sauberem Wasser. Durchfallerkrankungen gehören dort zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Bereits jetzt sind 13.000 Kinder und Familien an Cholera oder Durchfall erkrankt – dass sind fünf Mal so viele wie im vergangenen Jahr.

 Im Südsudan leiden 5,1 Millionen Menschen unter Wasserknappheit und unhygienischen Lebensbedingungen. Über die Hälfte der Wasserstellen wurden beschädigt oder zerstört. In der Folge breiten sich Krankheiten aus.

Rückblick: Brauereiführung und Verkostung im Rahmen des Weltwassertages, 22.03.2017

Rund 50 Personen nahmen am Weltwassertag an der Brauereiführung durch die Union Brauerei in Walle teil. Zusammen mit dem Wasserforum Bremen wurde eine interessante und lehrreiche Führung veranstaltet. Nach der Begrüßung im Sudhaus von zwei Mitarbeiterinnen des Wasserforums konnte die Führung losgehen. Zwei Braumeister haben die Geschichte der Union Brauerei näher gebracht, den Produktionsprozess erläutert, sind darauf eingegangen welche Rohstoffe verwendet werden und was gutes Brauwasser ausmacht. Die Führung wurde begleitet durch drei Vorträge des Wasserforums, welche auf die Trinkwasserversorgung im globalen Süden, Trinkwasser aus Flüssen und die globale Abwasserversorgung eingingen. Zum Schluss wurden vier verschiedene Biere der Union Brauerei gemeinsam verköstigt. Es war ein gelungener Abend, welcher nicht nur Wissen über den Brauprozess vermittelte, sondern auch den Teilnehmer*innen Wasser als das Lebensmittel Nummer 1 und Ressource näher brachte.