2017

August 2017

UNICEF zur Weltwasserwoche: Wassernot in Krisenländern

Internationale Weltwasserwoche: Mehr als 180 Millionen Menschen in Krisenländern ohne reguläre Trinkwasserversorgung

Kinder in fragilen Staaten sind viermal so häufig von einer regulären Wasserversorgung abgeschnitten, wie ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Hierauf weist UNICEF anlässlich der internationalen Weltwasserwoche hin, die am Sonntag in Stockholm begann. Mehr als 180 Millionen Menschen in Ländern, die von Konflikten, Gewalt und Instabilität betroffen sind, haben nur eingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

„Sauberes Wasser und sanitären Einrichtungen sind ein Recht und kein Privileg – vor allem in Konflikt- und Notsituationen”, sagte Sanjay Wijesekera, Leiter der weltweiten Wasserprogramme von UNICEF. „In Ländern, die von Krisen und Konflikten geprägt sind, muss die Versorgung von Kindern mit Wasser – einem der wichtigsten Lebensmittel – oberste Priorität haben.”

Nach einer aktuellen Analyse von UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation ist der Anteil der Menschen, die ihren Grundbedarf an Trinkwasser nur eingeschränkt decken können, in fragilen Staaten viermal so hoch wie in anderen Ländern. Von den schätzungsweise 484 Millionen Menschen, die 2015 in fragilen Staaten lebten, hatten 183 Millionen Menschen nur mangelnden Zugang zur grundlegenden Trinkwasserversorgung.

Im Jemen steht das Wasserversorgungsnetz in den größeren Städten nach zwei Jahren Bürgerkrieg vor dem Zusammenbruch. Ungefähr 15 Millionen Menschen sind bereits von einer regulären Wasserversorgung abgeschnitten. Abwässer werden vielfach nicht mehr aufbereitet.

In Syrien, wo der Konflikt bereits über sechs Jahre andauert, brauchen ebenfalls 15 Millionen Menschen sauberes Wasser, darunter schätzungsweise 6,4 Millionen Kinder. In dem Konflikt wurde Wasser immer wieder als Waffe benutzt: Allein im Jahr 2016 kam es zum Beispiel in Aleppo, Damaskus, Hama, Rakka und Daraa zu mindestens 30 Wassersperren, weil Wasserpumpen vorsätzlich zerstört oder Quellen kontaminiert wurden.

In Konfliktgebieten im Nordosten Nigerias wurden 75 Prozent der Wasser- und Abwasserversorgung beschädigt oder zerstört, wodurch 3,6 Millionen Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten sind. Im Südsudan, wo seit drei Jahren gekämpft wird, sind fast die Hälfte der Wasserstellen schadhaft oder vollständig zerstört.

„Wenn Kinder kein sauberes Trinkwasser haben und das Gesundheitssystem eines Landes in Trümmern liegt, sind Unterernährung und lebensbedrohliche Krankheiten wie Cholera die unweigerlichen Folgen”, sagte Wijesekera.

Im Jemen beispielsweise entfallen mehr als 53 Prozent der über 500.000 bislang bekannten Fälle von lebensgefährlichem Durchfall auf Kinder. Somalia leidet in den letzten fünf Jahren unter dem größten Ausbruch der Cholera, mit etwa 77.000 Erkrankungen. Und im Südsudan ist der Ausbruch der Cholera der schwerste, den das Land je erlebt hat, mit mehr als 19.000 Erkrankten seit Juni 2016.

In Nigeria, Somalia, Südsudan und Jemen verstärken sich Krankheiten durch verschmutztes Wasser und Mangelernährung gegenseitig. In diesen Ländern brauchen allein 14,6 Millionen Kinder, dringend sauberes Trinkwasser. Es wird geschätzt, dass dort in diesem Jahr mehr als fünf Millionen Kinder an akuter Mangelernährung leiden, 1,4 Millionen von ihnen so schwer, dass Lebensgefahr besteht, wenn ihnen nicht rasch geholfen wird.

Die Analyse „Progress on Drinking Water, Sanitation and Hygiene“ von UNICEF und der WHO ist abrufbar unter https://www.unicef.org/publications/files/Progress_on_Drinking_Water_Sanitation_and_Hygiene_2017.pdf

Auf der Weltwasserwoche vom 27.8.-1.9.17 in Stockholm suchen internationale Experten nach Wegen, um den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern http://www.worldwaterweek.org/

Beitragsfoto:© UNICEF/UN 068321/Hatcher-Moore

Water loves fairness:

Das Wasserforum Bremen stellt ganz neu auf einer Postkarte vor, welche Bandbreite das Thema Wasser haben kann. Einige „Wahrheiten“ können Sie dort entdecken! Auf der Rückseite gibt es den Hinweis auf eine unserer Veranstaltungen und zu unserem Thema „Wasser“. Schauen Sie mal:
So wird die Karte öffentlich ausliegen, nehmen Sie sie gern mit.

Woher kommt das Nitratproblem im Grundwasser?

Stickstoff, ein Hauptbestandteil des Nitrats, ist ein wichtiger Pflanzendünger. Allerdings wird er in Deutschland über Kunstdünger, Gülle und Mist in viel zu hohem Maß auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Höchstmögliche Erträge sind das Ziel. In belasteten Regionen ist in Folge fortschreitender Konzentration der Tierhaltung und der Ausweitung des Maisanbaus für die Biogaserzeugung oft eine Zunahme der Gewässerbelastung durch nicht von den Pflanzen aufgenommenes Nitrat zu erkennen. Viele Böden besitzen zwar die Fähigkeit, Nitrat auf diese Weise einzubinden, bevor es das Grundwasser erreicht. Dieses Vermögen ist aber endlich.

Das überschüssige Nitrat sickert in Flüsse – landet damit auch im Meer – und ins Grundwasser. 36 % der Grundwasserkörper in Deutschland verfehlen den von der EU geforderten „Guten Zustand“, 27 % davon wegen der zu hohen Nitratwerte von 50 mg Nitrat pro Liter als Grenzwert.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen geht davon aus, dass eine Halbierung der Stickstoffeinträge in Deutschland und der EU notwendig wären, um nationale und internationale Umweltziele zu erreichen. Die landwirtschaftliche Praxis hat da einen hohen Nachholbedarf. Neben ökologischen Schäden durch zu hohe Nitratwerte im Wasser und Boden wird auch in absehbarer Zeit die Qualität unseres Trinkwassers zum gesunden Lebensmittel zu einem immer wichtigeren Thema werden.

Da ein großer Anteil unseres Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen wird, drohen gesundheitliche Probleme durch hohe Nitratgehalte. Sie können für Kleinkinder gefährlich werden. Wenn sie stark nitrathaltiges Wasser zu sich nehmen, kann das zu Sauerstoffmangel im Blut führen. Außerdem kann eine Verbindung mit Eiweißen Nitrosamine entstehen lassen, die als krebserregend gelten. Mehrere Wasserwerke müssen inzwischen Brunnen mit hohem Nitratgehalt aufgeben oder es aus noch tieferen Regionen fördern, in denen das Nitrat noch nicht angekommen ist.

Die Kosten dafür sind ein Problem auf der Palette.

Lesen Sie hierzu die Pressemitteilung aus dem Umweltbundesamt.

BUND fordert Bremen zu nachhaltiger Trinkwasserversorgung auf

„Bremens Trinkwasser ist von hervorragender Qualität. Allerdings ist die Bremer Trinkwasserversorgung nicht nachhaltig“, findet BUND Geschäftsführer Martin Rode. Sie beruht überwiegend auf Trinkwasserlieferungen aus wenigen niedersächsischen Quellen. Dort werden z.T. so große Wassermengen entnommen, dass massive Schäden in der Landschaft entstehen. Besonders im Verdener Fördergebiet Panzenberg wird seit Jahrzehnten ein Vielfaches der verträglichen Menge entnommen. Doch statt die Entnahmemengen in verträgliche Größenordnungen zurückzufahren, wird auf gute Geschäftsbeziehungen und langfristige Lieferverträge gesetzt. Eine nachhaltige Wasserversorgung Bremens braucht daher eine neue Strategie und eine breitere Streuung der Bezugsquellen. Mehr Bezugsquellen sind sinnvoll, um die Risiken zu minimieren, die mit zunehmender Grundwasserbelastung durch Nitrat und Pestizidrückstände verbunden sind und um Förderkapazitäten einzelner Standorte nicht zu überreizen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es Grundwasserbrunnen gibt, deren Fördermenge nicht genutzt wird, z.B. in Bremerhaven. Die Seestadt versorgt sich selbst mit Wasser aus dem direkten Umfeld. Aber es entstehen zusehends Probleme nach dem Schließen von Trinkwasserbrunnen, wenn in der Folge der Grundwasserspiegel in Wohngebieten ansteigt und Keller vernässen. Wenn also in Bremerhaven zu viel Wasser für die Eigenversorgung zur Verfügung steht und in Bremen zu wenig, sollte hier ein Ausgleich hergestellt werden. Eine ähnliche Situation gibt es in Delmenhorst.

Etwas weniger als ein Fünftel der Trinkwasserversorgung Bremens kommt aus Brunnen in Bremen Nord – immerhin. Diese zu sichern, muss dennoch erste Hausaufgabe des Senats sein. Aber die Brunnen in Vegesack verfügen nicht über eine hinreichende Trinkwasserschutzzone. „Dieser unhaltbare Zustand muss noch in dieser Legislaturperiode abgestellt werden. Schließlich geht es um unser kostbarstes Lebensmittel“, so Martin Rode.  Im Gegensatz dazu sind die Brunnen in Blumenthal mittlerweile trotz des jahrelangen Widerstands einiger Industriebetriebe mit einer großen Trinkwasserschutzzone ausgestattet. Dennoch bleibt die latente Gefahr, die seit Jahren von der Grundwasserverschmutzung durch das Tanklager Farge ausgeht.

Der BUND fordert den Senat auf, endlich eine neue Trinkwasserstrategie für Bremen zu entwickeln, die auf drei Säulen steht. Dazu zählt, den Trinkwasserverbrauch weiter zu verringern, die eigenen Trinkwasserbrunnen optimal zu schützen und die Trinkwasserversorgung aus Niedersachsen so aufzustellen, dass in den dortigen Fördergebieten durch die Trinkwassergewinnung für Bremen kein Schaden entsteht.

Mai 2017

Rückblick: 10. Mai 2017 „Mit allen Wassern gewaschen“ – Improtheater

„Mit allen Wassern gewaschen“ – das war das Motto der Veranstaltung des Wasserforums Bremen in Kooperation mit dem AMS-Improtheater (Gruppe: Frauen auf See) im Kukoon. Rund 60 Theaterbesucher*innen kamen und freuten sich über die improvisierte Kunst des Theaterspielens rund um Wasserthemen. Ziel war es, über den nachhaltigen Umgang mit Wasser – lokal und global – zu informieren. Zu Beginn wurden im Rahmen einer Power-Point-Karaoke die Themen „WasserKONSUM weltweit“, „Wassermangel“, „Abwasseraufbereitung“, „Wassersparen“ und „Wasser in Bremen“ zunächst szenisch und improvisiert dargestellt, um sie später mit den Inhalten und Aussagen des Wasserforums Bremen zu ergänzen. Im zweiten Teil der Veranstaltung konnten die Besucher*innen ihre Assoziation zum Motto aufschreiben. Diese wurden von der Theatercrew aufgegriffen und in die Show integriert. Am Infotisch des Wasserforums konnten sich die Besucher*innen über die Aktivitäten informieren und Vertreter*innen standen für Fragen zur Verfügung. Eine gute Veranstaltung … es wurde gelacht, nachgedacht, informiert.

Videoausschnitt der Veranstaltung

Power Point Karaoke

März 2017

Verschmutztes Wasser – tödliche Gefahr für Kinder

UNICEF: 27 Millionen Menschen in den Hungergebieten in Afrika und im Jemen haben kein sauberes Wasser

Schwer mangelernährte Kinder im Nordosten Nigerias, Somalia, Südsudan und Jemen sind zusätzlich durch Wasserknappheit, unhygienische Lebensbedingungen und Krankheiten bedroht. In den Hungerregionen beziehen nach Angaben von UNICEF fast 27 Millionen Menschen Trinkwasser aus unsauberen Quellen. Die Folge sind Durchfallerkrankungen, die für mangelernährte Kinder tödlich sein können.

Im Nordosten Nigerias sind in den Konfliktgebieten 75 Prozent der Wasser- und Sanitärversorgung zerstört. Hierdurch haben 3,8 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Über 400 Gesundheitseinrichtungen wurden im Bundestaat Borno zerstört, so dass viele Kranke ohne jede Hilfe sind.

In Somalia benötigt rund ein Drittel der Bevölkerung – also 4,5 Millionen Menschen – dringend Zugang zu sauberem Wasser. Durchfallerkrankungen gehören dort zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Bereits jetzt sind 13.000 Kinder und Familien an Cholera oder Durchfall erkrankt – dass sind fünf Mal so viele wie im vergangenen Jahr.

Im Südsudan leiden 5,1 Millionen Menschen unter Wasserknappheit und unhygienischen Lebensbedingungen. Über die Hälfte der Wasserstellen wurden beschädigt oder zerstört. In der Folge breiten sich Krankheiten aus.

Rückblick: Brauereiführung und Verkostung im Rahmen des Weltwassertages, 22.03.2017

Rund 50 Personen nahmen am Weltwassertag an der Brauereiführung durch die Union Brauerei in Walle teil. Zusammen mit dem Wasserforum Bremen wurde eine interessante und lehrreiche Führung veranstaltet. Nach der Begrüßung im Sudhaus von zwei Mitarbeiterinnen des Wasserforums konnte die Führung losgehen. Zwei Braumeister haben die Geschichte der Union Brauerei näher gebracht, den Produktionsprozess erläutert, sind darauf eingegangen welche Rohstoffe verwendet werden und was gutes Brauwasser ausmacht. Die Führung wurde begleitet durch drei Vorträge des Wasserforums, welche auf die Trinkwasserversorgung im globalen Süden, Trinkwasser aus Flüssen und die globale Abwasserversorgung eingingen. Zum Schluss wurden vier verschiedene Biere der Union Brauerei gemeinsam verköstigt. Es war ein gelungener Abend, welcher nicht nur Wissen über den Brauprozess vermittelte, sondern auch den Teilnehmer*innen Wasser als das Lebensmittel Nummer 1 und Ressource näher brachte.