Wasser, Abwasser und Sanitärversorgung in Ländern des Globalen Südens

Wasserversorgung in Ländern des Globalen Südens

Der Bedarf an sauberem Trinkwasser und die Nutzung zur Nahrungsmittelproduktion in der Landwirtschaft ist weit höher als das Wasserangebot durch Flüsse oder Niederschläge. Besonders in ländlichen Regionen, wo geringe Niederschlagsmengen nur eine Ernte im Jahr ermöglichen, ist permanenter Wassermangel eine erhebliche Ursache für Armut.

Climate Change/Zimbabwe © UNICEF/UN032913/Mukwazhi

Climate Change/Zimbabwe
© UNICEF/UN032913/Mukwazhi

Neben den geringen Niederschlägen besteht das Problem in Ländern des Globalen Südens oftmals darin, dass eine konventionelle zentrale Wasserversorgung durch staatliche oder kommunale Behörden erfolglos geblieben oder wegen zu großer Distanzen unmöglich ist.

Dennoch ist die Datenlage positiv: 2015 haben 91 Prozent der Weltbevölkerung  Zugang  zu verbesserter Trinkwasserversorgung, gegenüber 76 Prozent im Jahr 1990.

1,9 Milliarden der 2,6 Milliarden Menschen, die seit 1990 Zugang zu verbessertem Trinkwasser erhielten, bekamen einen eigenen Trinkwasserleitungsanschluss.

Damit hat mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Weltbevölkerung diese höhere  Versorgungsstufe erreicht.

Weltweit haben 147 Länder das Trinkwasserziel erreicht.

Aber es bleibt viel zu tun: Fast die Hälfte der schätzungsweise 663 Millionen Menschen weltweit, die 2015  noch immer eine unverbesserte Trinkwasserquelle wie ungesicherte Brunnen, Quellen und Oberflächenwasser nutzen, lebt in Afrika südlich der Sahara, ein Fünftel in Südasien.

Darüber hinaus erhalten selbst diejenigen Menschen, die eine verbesserte Trinkwasserquelle nutzen, nicht unbedingt unbedenkliches Wasser. Viele verbesserte Anlagen sind durch Mikroorganismen verunreinigt. Für zahlreiche Haushalte, insbesondere in Afrika südlich der Sahara, ist Wasser außerdem schwer zugänglich. Viele Menschen, in der Regel Frauen oder junge Mädchen, müssen oft lange anstehen oder weit gehen, um zu einer verbesserten Wasserquelle zu gelangen.

UNICEF hat seine Programme im Bereich WASH (= Water, Sanitation, Hygiene) 2017 erheblich ausgeweitet und verwendet nun etwa 1 Milliarde US Dollar für Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene Programme. UNICEF erreichte mehr als 45 Mio. Menschen mit sauberem Wasser und 22 Mio. mit sicherer Sanitärversorgung.
50% aller Ausgaben für WASH wurden für Nothilfe Programme verwendet. Das waren 2017 insbes. Syrien und Jemen, Ost- und Südafrika sowie Anticholerakampagnen in Somalia, Hilfe für die Opfer von Überschwemmungen in Sierra Leone und für die Rohinga Flüchtlinge in Bangladesch. Auch wurden immer mehr dieselbetriebene Pumpen gegen Solarsysteme ausgetauscht.

Mädchen an Wasserpumpe/Nigeria
© UNICEF/UN055930/Gilbertson VII Photo

Nur 60% aller Schulen können bislang eine hinreichende Trinkwasser- und Sanitärversorgung für ihre Schüler bereitstellen. Millionen von Mädchen werden nicht über Menstruation aufgeklärt und erhalten keinerlei Hygieneangebote. Auch dies ist ein Grund für das häufige Fehlen von Mädchen im Unterricht. UNICEF unterstützt 2017 entsprechende Programme in etwa 44 Ländern, das sind mehr als doppelt so viele wie 2014.

Sanitäre Grundversorgung in Ländern des Globalen Südens

In urbanen Ballungsgebieten vieler Länder ist die sanitäre Grundversorgung (Toiletten, Bade- und Waschplätze) der Bevölkerung besonders in Armensiedlungen meist menschenunwürdig. Toiletten und Waschplätze sind häufig verfallen und unhygienisch oder überhaupt nicht vorhanden. Die Einleitung des Abwassers erfolgt direkt auf die Straße oder in Bäche, die durch Wohnviertel fließen. Eine Situation, die für die Anwohnerinnen und Anwohner demütigend und gesundheitsgefährdend ist sowie die Umwelt stark belastet.

Zwischen 1990 und 2015 stieg der Anteil der Weltbevölkerung mit Zugang zu verbesserten sanitären Einrichtungen von 54 auf 68 Prozent. Dennoch haben 2015 immer noch 2,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu verbesserten Sanitäreinrichtungen, und 946 Millionen verrichten weiter ihre Notdurft im Freien.

Am weitesten ist diese Praxis in Südasien, Ozeanien und Afrika südlich der Sahara verbreitet. Die große Mehrheit – 82 Prozent – der Menschen, die ihre Notdurft im Freien verrichten, leben heute in bevölkerungsreichen Ländern mit mittlerem Einkommen wie Indien oder Nigeria.

BORDA erreicht seit Jahren gute Erfolge in der dezentralen Wasserversorgung ländlicher Gebiete. Dabei wird Wasser aus Flüssen oder Bächen mittels Gebrauch erneuerbarer Energie  zu höhergelegenen Dörfern gefördert. Neben der Nutzung in Haushalten können so durch Schwerkraftbewässerung zusätzliche Ernteerträge erzielt werden. Organisation, Betrieb und Wartung der Anlagen wird von Nutzergemeinschaften durchgeführt.

Um einen universellen Zugang zur Grundversorgung für alle Menschen zu verwirklichen, bietet BORDA ein partizipatives Modell für eine sanitäre Infrastruktur in Armensiedlungen an. Dies kann aus individuellen Toiletten in den Häusern und einem kleinräumigen Kanalsystem mit einer DEWATS Anlage (DEWATS: Decentralised Wastewater Treatment Solutions) bestehen oder aus Gemeinschaftssanitäranlagen für jeweils etwa 250 Haushalte, mit Toiletten, Bade- und Waschräumen sowie einer Trinkwasserversorgung.

Bei diesen „Community Sanitation Centers“ (CSC) erfolgt die Abwasserbehandlung direkt vor Ort durch eine integrierte unterirdische dezentrale Abwasserbehandlungsanlage. Wichtig für den nachhaltigen Erfolg beider Modelle ist die Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer bei Planung, Umsetzung und Verwaltung. Durch eine geringe Nutzungsgebühr wird die zuverlässige Reinigung und Wartung der Anlage gewährleistet.

 

Dem steigenden Wasserverbrauch steht in vielen Ländern ein Anstieg der Ableitung von ungereinigten Abwassers gegenüber. Die WHO gibt an, dass weltweit 90% des produzierten Abwassers ungenügend behandelt oder gänzlich unkontrolliert in den Wasserkreislauf zurück geleitet wird. In den Ländern des Globalen Südens sind daher 80% der Krankheiten und 25% der Todesfälle auf kontaminiertes Wasser zurückzuführen, besonders bei Kindern unter fünf Jahren. Kritisch ist die Situation in urbanen Ballungsgebieten. Neben der Verschmutzung von (Trink-)Wasser und Umwelt durch Industriebetriebe, fließt besonders in Armen- und Arbeitersiedlungen ungereinigtes Haushaltsabwasser offen durch die Straßen, wo es dann meist unkontrolliert versickert.

Faecel Sludge Treatmeant Plant (FSTP) in Leh/ Indien) © BORDA

Wie bei der Wasserversorgung in ländlichen Regionen, so schlugen Versuche von staatlichen oder kommunalen Behörden fehl, das Abwasser der Städte ausschließlich durch große zentrale Kläranlagen zu behandeln. Ursache dafür sind die hohen Kosten von langen Kanalsystemen, eine zu anfällige Technik sowie hohe Personal- und Wartungskosten bei fehlendem Fachwissen. Auch ist es oft schwer, stetig wachsende dicht besiedelte einkommensschwache Gebiete an zentrale Netze anzuschließen. Eine Lösung ist auch hier ein dezentraler Ansatz zur Abwasserbehandlung. Die BORDA arbeitet gemeinsam mit Partnerorganisationen daran, solche dezentralen Abwasserbehandlungssysteme (engl.: Decentralized Wastewater Treatment Systems = DEWATS) zu verbreiten. Dabei wird das Abwasser mit DEWATS-Lösungen direkt dort behandelt wo es entsteht. Dies können kleinere und mittlere Unternehmen, Wohngebiete, Krankenhäuser, Schulen oder Hotelanlagen sein. Wichtig für eine großflächige Verbreitung ist, dass die Wartung von DEWATS – Anlagen für die Nutzer bezahlbar ist, keine anfällige Technologie verwendet wird und die Abwässer nach den erforderlichen Schadstoffnormen gereinigt werden, so dass das behandelte Wasser wieder dem Wasserkreislauf zugeführt oder zur Bewässerung verwendet werden kann.

 

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