Gewässerschutz

Allgemeines

Große Teile der Erde sind vom Wasser bedeckt, wobei dies besonders auf der Südhalbkugel der Fall ist. Die Wasservorkommen der Erde belaufen sich auf circa 1.386 Millionen km3, wovon allein ca. 97% aus dem Salzwasser der Weltmeere besteht. Nur ca. 3% des irdischen Wassers liegen als Süßwasser vor.

Gewässer – Flüsse, Seen, Meere – sind verschiedensten Nutzungen ausgesetzt. Ziel des Gewässerschutzes ist, überall Gewässer mit guter ökologischer Qualität zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Es muss also verhindert werden, dass eine massive Nutzung der Gewässer stattfindet und es zu Schadstoffeinleitungen kommt. Daneben müssen die Gewässer, ihre Ufer und ihr Umfeld so erhalten bzw. wieder gestaltet werden, dass sich die für den jeweiligen Naturraum typischen Lebensgemeinschaften dort entwickeln können.

NordseeAmrum

Die Meeresumwelt ist ein kostbares Gut. Ozeane und Meere bieten 99% des auf unserem Planeten verfügbaren Lebensraums, bedecken 71% der Erdoberfläche und bieten 90% aller Lebewesen ihren Lebensraum. Sie beherbergen somit mehr biologische Vielfalt als Land- und Süßwasserökosysteme. Meere spielen eine Schlüsselrolle im Klima- und Wettergeschehen. Die Meeresumwelt ist unabdingbare Voraussetzung für das Leben auf der Erde, das es unbedingt zu schützen gilt.

Die Nordsee vor unserer norddeutschen Küste ist ein einzigartiges Ökosystem. Mit Riffen, Sandbänken, tiefen Rinnen, Felsinseln und dem Wattenmeer umfasst es faszinierende schützenswerte Lebensräume. Der enorme Nutzungsdruck macht die Nordsee jedoch zur größten Abfallsenke Nordeuropas. Ein großer Teil dessen, was Millionen Anlieger produzieren oder verbrauchen, gelangt über Flüsse und Luft im Meer. Die Meeresumwelt ist durch Tankerhavarien und illegales Ablassen von tausenden Tonnen Öl und hochgiftigen Chemikalien belastet. Plastikpartikel aus unserem riesiegen Abfallaufkommen lassen viele Fische bei der vermeintlichen Nahrungsaufnahme verhungern. Auf und an den Meeren wird ein riskantes Spiel um Sicherheit und Sauberkeit getrieben und das Meer bis an seine Grenzen ausgebeutet. So hat die Fischerei die Fischbestände in vielen Fanggebieten bis an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.

Und die Nordsee wird noch auf andere Art und Weise durch verstärkte Nutzungen belastet: neben Fischerei, Schifffahrt und Ölförderung, auch durch Wind-Offshore Parks, Tourismus, Kabeltrassen, Militär, Sand- und Kiesentnahme und anderes mehr.

Ziel des WASSERFORUMS ist es, einen Beitrag zum Erhalt bzw. der Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der natürlichen Prozesse des Meeres durch Informationsweitergabe, die Entwicklung von politischen Strategien und Bewusstseinsbildung zu leisten. Für den Nordseeschutz bedarf es eines umfassenden Modells, das die Förderung der Ökologie sowie sozialer und kultureller Strukturen einschließt.

Unterwesercontainer

Direkt vor unserer Haustür in Bremen – und typisch für den Umgang mit unseren Flüssen: die ehemals natürlichen Ufer sind verbaut und damit viele Wasserlebensräume zerstört. Die Fließgeschwindigkeit der Unterweser ist im Interesse der Schifffahrt durch Ausbau erhöht und der Fluss stark vertieft worden. Damit einhergehend mussten weitgehend künstliche Ufer geschaffen werden, da natürliche Sandufer abgeschwemmt würden. Arten der Flora und Fauna am und im Fluss müssen eine hohe Toleranz gegenüber diesen Umweltbedingungen haben, anspruchsvollere Vertreter wandern ab. Leider ist noch immer nicht klar, ob Flüsse weiterhin ausgebaut werden dürfen, Anträge für Vertiefungen sind gestellt.

Aus der gesamten Weser wird kein Trinkwasser gewonnen. Für die Entsorgung von überschüssiger Wärme vor allem aus Kraftwerken wird Weserwasser entnommen und aufgewärmt wieder zurückgeführt. In die Unterweser werden außerdem kommunale und betriebliche Abwässer sowie mit Schmutzstoffen (Reifenabrieb, Öle) angereichertes Regenwasser eingeleitet.

Wärmerückgabe vom Kraftwerk Hafen/Bremen, Unterweser

Wärmerückgabe vom Kraftwerk Hafen/Bremen, Unterweser

Bis zur Nordsee kann man eine hohe Konzentration von Pflanzennährstoffen im Wasser messen. Sie gelangen über das Abschwemmen von unverbrauchten Düngemitteln der landwirtschaftlichen Flächen und aus dem Kläranlagenaublauf in den Fluss. Es gibt keine Grenzwerte für die Einleitung von Schadstoffen in Gewässer. Eine Begrenzung ist durch Einleiteerlaubnisse für kommunale oder industrielle Gewerbebetriebe über Kosten geregelt.

Und wie weiter?

Die Europäische Union hat sich viele Gedanken um die Gewässer gemacht und im Jahr 2000 mit einer Richtlinie beschlossen, dass sowohl die oberirdischen Gewässer wie Seen und Flüsse als auch das Grundwasser und die Küstenlinie bis 2015 einen „guten chemischen Zustand“ haben sollten. Der gute Zustand soll heißen: zwar ist klar, dass Menschen am Fluss leben und ihn nutzen, aber er sollte trotzdem als Lebensraum für Flora und Fauna intakt sein. So dürfen sich dann Schadstoffe nicht mehr wieder finden, die die typische Gewässerfauna verdrängen. Gewässerstruktur sollte naturnah und der Fluss barrierefrei für wandernde Fische sein. Zusätzlich sollen Gewässer auch den „guten ökologischen Zustand“ bis 2015 erreicht haben, also typische Gewässer-Lebensräume bieten und einen barrierefreien Zugang für wandernde Fische. Da die Unterweser aber  extrem verbaut ist, wäre ein Rückbau gesellschaftlich nicht finanzierbar und so muss die Unterweser nur das schwachere „gute ökologische Potenzial“ erreichen.

Nach 15 Jahren ist kein entscheidender Fortschritt erkennbar geworden, das Ziel noch lange nicht erreicht. Zwar zeigen kleine Projekte eine gute Wirkung, aber ein guter Zustand sieht anders aus. Mit viel Engagement kann er auch besser erreicht werden, denn erhebliche Teile der Tideweser sind im europaweiten Verbund eines Schutzgebietssystems: NATURA 2000. Im Focus steht hier der Erhalt der Biodiversität, es besteht dringender Handlungsbedarf.

Das WASSERFORUM bemüht sich, die wichtigen Gewässerschutzziele zu unterstützen. Allerdings ist inzwischen klar, dass die Umsetzungsfristen verlängert werden, da bisher zu wenige Maßnahmen für einen guten Zustand wirksam geworden sind.

Die Unterweserregion muss sich auch auf die Veränderungen durch die Klimaverschiebung einstellen. Höhere Wasserstände, höherer Tidenhub, mehr Sturmfluten, verändere Regenverteilung müssen mit Anpassungen einhergehen. Die Schaffung von neuen Fluträumen, aber auch Deichbau sind unumgänglich.

Das WASSERFORUM versucht mit Aufklärungsarbeit und Anregungen, sich im eigenen Umfeld mit Klimaschutz auseinanderzusetzen, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Dabei liegen uns die Entwicklungen in den Ländern des Südens besonders am Herzen, da dort die starken  Auswirkungen  auf eine ungesicherte Bevölkerung trifft.

Lebendige Fließgewässer am Beispiel des Projektes „Renaturierung Embser Mühlengraben“

Der Embser Mühlengraben, im Unterlauf Deichschloot genannt, ist ein etwa 15 km langes, nacheiszeitliches Fließgewässer am östlichen Rand von Bremen. Seine Quelle liegt nahe Achim-Embsen, sein Lauf erstreckt sich parallel der Autobahn A27 und mündet bei Oberneuland in den Wümme-Südarm. Zur Umgestaltung des Fließgewässers,hin zu einem naturnahen Zustand wurde im Jahr 2000 der Arbeitskreis „Renaturierung Embser Mühlengraben“ gegründet. Durch Ausbau und Gewässerunterhaltung sind Lebensräume und Struktur des Gewässers stark beeinträchtigt. Bei der Arbeit im Projekt geht es um die Wiederherstellung alter Gewässerstrukturen, einhergehend mit einer Verbesserung der Wasserqualität. Dazu gehören die Anlage von Nebenrinnen, Flachwasserzonen und Auenbereichen sowie die Förderung einer charakteristischen Vegetation.

Lebendige Fließgewässer brauchen naturnahe Gewässerrandstreifen wegen der wichtigen Funktionen und Wirkungen im Naturhaushalt, denn sie:

  • verbinden das Gewässer mit der Umgebung
  • schaffen Lebensraum und Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen
  • filtern Schad- und Schwebstoffe mit Hilfe der Vegetation
  • sorgen durch eine Beschattung des Wassers mittels der Uferpflanzen für ausgeglichene Wassertemperaturen und höhere Sauerstofflöslichkeiten
  • vermindern Abflussgeschwindigkeiten (Hochwasserrückhaltung!)

Die 1. Umgestaltungsmaßnahme wurde im März 2005 durchgeführt und zwar auf einem etwa 600 Meter langen Bach-Abschnitt in Höhe des Bultensees in Bremen-Tenever. Seit August 2007 findet sich dort auch eine Informations- und Aussichtsplattform zu dem Projekt. 2009/2010 konnte die 2. Umgestaltung durchgeführt werden und 2011, soll mit dem 3. Streckenabschnitt begonnen werden, der länderübergreifend Bremen und Niedersachsen betrifft. Insgesamt macht diese Strecke dann etwa 1.300 Meter naturnahes Gewässer aus.

Langfristig wird die komplette Renaturierung des Gewässers von der Quelle bis zur Mündung angestrebt. Unser Fokus liegt darin, Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe in die Öffentlichkeit zu rücken. Neben der BürgerInnenbeteiligung im Rahmen der Planungen bedeutet dies insbesondere die Beteiligung an der praktischen Projektumsetzung.

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