Hochwasser

Allgemeines

Spätestens seit dem Elbehochwasser 2002 verbindet man mit dem Begriff „Hochwasser“ vor allem einen deutlich über dem normalen Pegel liegenden Wasserstand. Er beschreibt aber auch den natürlichen höchsten Wasserstand der Gezeiten im Übergang von Flut zur Ebbe. Grundsätzlich sind Hochwasser Zeichen einer natürlichen Gewässerdynamik,ihre extreme Ausprägung der letzten Jahre weisen aber auf eine bedrohliche und beschleunigte Veränderung des weltweiten Klimageschehens hin.

Klimaveränderung

Flosstour05Wir befinden uns in einer Phase der schnellsten Temperaturveränderung der Erdgeschichte. Die athmosphärische Konzentration von Kohlendioxid, Methan undLachgas sind durch menschliche Aktivitäten laut IPPC (5. Sachstandsbericht) auf Werte gestiegen, die höher als in den letzten 800 000 Jahren (mindestens) sind. Dies führte zu einer hohen Aufnahme von Energie in das Klimasystem.  Davon wurden in den letzten 40 Jahren mehr als 90 Prozent in den Ozeanen gepeichert. Sie erwärmen sich und werden saurer. Hält der Ausstoß der Treibhausgase auf heutigem Niveau an, wird die Erwärmung in 100 Jahren mehr als vier Grad Celsius betragen. Wollen wir sie bei 2 Grad Celsius beschränken, dürfen wir nur noch 1000 GT Kohlendioxid in die Atmosphäre abgeben, denn 2900 GT Kohlendioxid haben wir schon entlassen

Der mittlere globale Meeresspiegel wird weiter ansteigen und seine Auswirkungen werden über Jahrhunderte anhalten. Der erhöhte Treibhauseffekt führt zu anderen Werten des Niederschlags, der Bewölkung, der Meereseisausdehnung, der Schneebedeckung, des Meeresspiegels und zu Wetterextremen. Diese Extreme sind zusammen mit dem Anstieg des Meeresspiegels für die Menschheit weltweit von besonderer Bedeutung.

Die Gefahr von Hochwasser wird steigen. Insgesamt müssen wir uns auf mehr Regenfälle einstellen, die sehr ungleich verteilt sein werden. In Nordwesteuropa wird es in wärmeren, trockeneren Sommern weniger regnen und dafür die Verdunstungsrate stark ansteigen. In den in Zukunft sehr viel feuchteren Wintern, in denen das Wasser nicht verdunstet, werden wir uns auf Hochwasser vorbereiten müssen.

Wir Menschen in den reichen Industrienationen stellen 20% der Bevölkerung und verbrauchen 80% der größtenteils fossil gewonnenen Energie. Die katastrophalen Folgen mit Wetterextremen wie starken Hochwasserereignissen aber tragen vor allem die Menschen in den südlichen armen Ländern. Wohlhabende Länder werden sich eher bei ansteigendem Meeresspiegel zum Beispiel mit verstärkten Deichen schützen können als zum Beispiel die Menschen auf den Malediven.

Das WASSERFORUM Bremen will mit seiner Öffentlichkeitsarbeit darauf aufmerksam machen, dass vor allem in den reichen Industrienationen eine Umkehr in der Energie-, Landwirtschafts- und Chemiepolitik einsetzt. Die USA als größter Klima-Anheizer muss eindringlich ermahnt werden, endlich durch Energieeffizienz ihre Emissionen zu drücken. Den Schwellenländern, allen voran China, müssen Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, nicht die gleichen Fehler der Industrienationen zu wiederholen.

Wir können den Klimawandel nur mittelfristig bremsen, wenn es uns gelingt, auf die fossilen Energieträger weitgehend zu verzichten und auf Sonne, Geo, Wellen, Wind und Biomasse zu setzen. Und wenn uns im täglichen Leben gelingt, so effizient wie möglich mit Energie umzugehen.

Flussausbau

Besucher anderer Kontinente fragen auf einer Unterweserschifffahrt in Bremen häufiger nach dem Beginn der eigentlichen Flusstour, denn einen solch verbauten Fluss würden sie eher als künstlichen Kanal identifizieren. Dieser Teil der Weser ist ein Lehrstück für Flussbauingenieure, denn die weitaus überwiegende Strecke besitzt keinen natürlichen Charakter mehr. Schon vor 130 Jahren begann man den Fluss so auszubauen, zu vertiefen und zu gestalten, dass ein gängiges Lastenschiff die 65 km Unterweser von der Nordsee bis nach Bremen gelangen konnte. Dieses Anliegen ist bis heute in den Grundzügen erhalten, wenn es auch inzwischen große Containerschiffe sind und viele in Bremerhaven abgefertigt werden. Aber auch dort wird der Fluss immer weiter ausgebaut.

Bei der Nutzung eines Flusses haben die Anliegen der Schifffahrt sehr großes Gewicht. Mit den Argumenten des wachsenden Welthandels und der Arbeitsplatzsicherung sind unsere Flüsse in hohem Maße überformt und ausgebaggert. Bei der Unterweser heißt das: Ein Verlust von einem Drittel der Uferlänge und einem Drittel der Wasseroberfläche durch Abtrennen und Verfüllen von Altarmen und Nebengewässern. Die Ufer sind zu 60% künstlich befestigt, ein großer Verlust für die einst vielfältige Uferlebensgemeinschaft und die Selbstreinigungskräfte des Flusses.

Weitere Konsequenzen waren hydrologische Veränderungen: Der Tidenhub (Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser) stieg um das Zehnfache auf 4,20 m, die Fließgeschwindigkeit erhöhte sich und die Sturmflutgefahr stieg an. Diese Liste lässt sich noch lang weiterführen, kommt dann letztendlich zu dem Schluss, dass für die Weser wie für die meisten Flusssysteme in Deutschland gilt:

Die Belastbarkeit des Flussökosystems ist überschritten. Die Schiffe müssen sich den Flüssen anpassen – nicht umgekehrt!

Wassersteine

Das WASSERFORUM Bremen hat das Ziel, diese Überbelastung immer wieder ins Blickfeld zu holen. Wir dürfen uns weder daran gewöhnen, dass Flüsse ausgebaut sind, noch zulassen, dass die nächsten Ausbaustufen als rein technisches Verfahren durchgeführt werden ohne die Konsequenzen für das Flussökosystem in vollem Umfang zu berücksichtigen. Auch die steigenden Hochwassergefahren dürfen nicht in Kauf genommen werden.

Unsinnige Warenströme, bei denen ein Produkt bis zur Fertigstellung zigtausend Kilometer zurücklegt, müssen gestrafft und das Transportmittel Schiff umweltgerecht eingesetzt werden.

Küstenschutz

Schon vor 1000 Jahren haben in Nordwestdeutschland Holländer mit dem Deichbau – als Bollwerk gegen Hochwasser – begonnen. Nicht nur die Meeresküste, auch die Flussunterläufe wurden dabei nach und nach mit Deichen versehen. Am Fluss sind sie eine Notwendigkeit für die nah siedelnden Menschen als Schutz vor dem Tidenhochwasser. Für den Fluss selbst sind sie allerdings eine Katastrophe, denn er wird von seiner Aue abgeschnitten. Natürliche, unbegrenzte Flusssysteme haben eine Dynamik aus verschiedenen Wasserständen mit einem wechselnden Gewässerbett.

AKNnixenFür eine Hochwassergefahr ist Bremen ein typisches Beispiel. Die Stadt liegt zum überwiegenden Teil unter dem mittleren Tidehochwasser der Weser und ist damit direkt und bei jeder Flut von der Funktionstüchtigkeit der Deiche abhängig. Da die Unterweser stark kanalisiert ist und bei Sturmflut die Sperrwerke der Nebenflüsse verschlossen werden, wird das Wasser im Hauptstrom gehalten. So erhöht sich zusätzlich der Wasserstand.

Seit dem Mittelalter sind schwere Orkanfluten dokumentiert, die in grob hundertjährigem Abstand an die Nordseeküsten branden (So orientiert sich die Deichhöhe entlang der norddeutschen Küste an der Hamburger Sturmflut 1962, bei der 300 Menschen ums Leben gekommen sind). In der Bremer Region ist seit längerer Zeit keine zerstörerische Sturmflut zu verzeichnen gewesen. Trotzdem darf man sich auf den jetzigen Stand des Deichschutzes nicht verlassen. Zum einen senkt sich Nordwestdeutschland, zum anderen wird sich der Meeresspiegel durch den Klimawandel merklich erhöhen. Es müssen Konzepte gesellschaftlich beschlossen und umgesetzt werden, die ein Nebeneinander von Siedlungen, Wirtschaftsflächen und naturnahen Flussläufen ermöglichen.

Das WASSERFORUM Bremen möchte durch seine Aktionen darauf aufmerksam machen, dass für natürliche Flusssysteme genug Raum vorgehalten werden muss. Aber da auf allen Kontinenten Menschen sehr dicht am Wasser leben, ohne sich der Gewässerdynamik bewusst zu sein, sind Konfliktsituationen mit Überschwemmungen schon fast an der Tagesordnung.

In den weltweit betroffenen Regionen hat häufig gerade die ärmere Bevölkerungsschicht keine andere Chance als den gewässernahen Raum zu beziehen und sich dem Risiko auszusetzen. Das gilt für Bangladesh genauso wie für New Orleans. Der Klimawandel verstärkt die Situation erheblich. Hierfür müssen die Industrienationen die Verantwortung übernehmen und die gefährdeten Regionen in größtmöglichem Rahmen humanitär und technisch unterstützen.

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