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Im Folgenden finden Sie eine Textsammlung des WASSERFORUMS zu ausgewählten Problemfeldern. Dabei geht es um Süß-, Trink- Salz-, Hoch- und Abwasser sowohl in unserem regionalen Bereich als auch im globalen Maßstab. Ebenso wird die Frage erörtert, welche Folgen mit der Privatisierung der Ressource Wasser einher gehen.
Wassernutzung
- Allgemeines
- Trinkwasserversorgung in Bremen
- Wasserversorgung in Entwicklungsländern
- Abwasserentsorgung in Bremen
- Abwasserentsorgung in Entwicklungsländern
- Sanitäre Grundversorgung in Entwicklungsländern
Allgemeines
Die Ressource Wasser wird durch den Menschen in vielfältiger Weise genutzt: Als Trinkwasser, in der Landwirtschaft, im häuslichen Gebrauch zum Waschen und zur Toilettenspülung, in der Industrie als Rohstoff, zur Kühlung und Energiegewinnung. Dabei wird aus Wasser mehr oder weniger verschmutztes Abwasser, das eine Belastung für Mensch und Umwelt darstellt. Dies gilt besonders dort, wo die Abwasserbehandlung nicht in ausreichendem Maße erfolgt, wenn Wasser zwar genutzt, aber für die Abwasserbehandlung nicht in angemessenem Umfang gesorgt wird. Die Wassernutzung und -behandlung geschieht in Industrie- und Entwicklungsländern auf unterschiedliche Weise, woraus sich anders gelagerte Probleme ergeben.
Trinkwasserversorgung in Bremen
WASSER IST ENDLICH - Die Problematik der Trinkwasserbereitstellung ist aktueller denn je. Obwohl über 70% der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, täuscht dieser scheinbare Überfluss. Nur 3% sind Süßwasser, wovon wiederum der größte Teil in gefrorener Form die Polkappen und Gletscher bedeckt und somit nicht verfügbar ist. Abzüglich Eis und Schnee verbleiben somit nur 0,46% als nutzbares Wasser. Der Mensch trägt durch Verschmutzung und Verschwendung dazu bei, dass dieser Anteil noch geringer wird. Luftschadstoffe, Leckagen, Unfälle, Altlasten aber auch der alltägliche Gebrauch verunreinigen Wasser so, dass es nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden kann.
Trinkwasser ist ein kostbares Gut und Grundelement allen Lebens. Trotz der beschriebenen Knappheit der Wasserreserven ist der Umgang durch einen hohen Verbrauch beim Duschen, Baden, bei der Toilettenspülung etc. gekennzeichnet. In Bremen verbraucht jeder Einwohner im Tagesdurchschnitt rund 118 Liter Trinkwasser ohne Kleingewerbeanteil(Quelle: SWB). Davon werden allerdings nur ca. 5 Liter zum Trinken und Kochen verwendet und über zwei Drittel dieser Wassermenge läuft durch Dusche, Waschbecken und WC einfach davon.
Das WASSERFORUM sieht es als seine Aufgabe, die Öffentlichkeit über die Problematik zu informieren und beratend tätig zu werden, um Trinkwassereinsparmöglichkeiten in Privathaushalten und Unternehmen zu erschließen.
Bevor Wasser jedoch eingespart
werden kann, muss es erst einmal gewonnen werden. Woher kommt das Trinkwasser
in Bremen eigentlich? Es stammt aus Wasserschutzgebieten und ist genau
genommen eine bremisch-niedersächsische Koproduktion: 80% kommen
aus niedersächsischen Grundwasserwerken, die restlichen 20% aus Tiefbrunnen
im Wasserschutzgebiet Blumenthal in Bremen-Nord. An das Trinkwasser werden
sehr hohe Anforderungen gestellt.
Die Trinkwasserverordnung legt fest, welche Eigenschaften das Trinkwasser
haben muss und welche Stoffe darin nicht oder nur in bestimmten Konzentrationen
enthalten sein dürfen. Um das gewonnene Wasser trinkbar zu machen,
werden z. B. die Inhaltsstoffe wie Eisen und Mangan, die dem Wasser eine
unappetitliche Färbung geben, herausgefiltert und das Wasser zusätzlich
mit Sauerstoff angereichert. Für einige Wasserversorgungsunternehmen
in der Bundesrepublik ist Nitrat im Trinkwasser ein Problem. Das gilt
besonders in Gegenden, die landwirtschaftlich sehr intensiv genutzt werden.
In Bremen ist der Nitratgehalt des Trinkwassers geringer als 10 Milligramm
pro Liter und somit unbedenklich. Die Trinkwasserverordnung erlaubt eine
Belastung von 50 Milligramm pro Liter vor.
Nicht nur der Mensch muss sich auf die Wasserknappheit einstellen, auch viele Ökosysteme sind betroffen. Das Bremer Trinkwasser wird zu 100% aus Grundwasser gewonnen. Dies wurde in den vergangenen Jahrzehnten auch deswegen immer notwendiger, weil Flüsse und Seen durch ihre Schadstoffbelastung ohne großen Reinigungsaufwand kein Trinkwasser mehr liefern können. Im Umland von Bremen hat die Entnahme von Trinkwasser erste negative Auswirkungen auf die Umwelt gezeigt: In den vergangenen Jahren wurde beobachtet, dass der Halsebach immer weniger Wasser führt und zeitweise sogar ganz versiegt. Der Bach fließt nordöstlich von Verden durch das Trinkwassergewinnungsgebiet Panzenberg, aus dem die Stadt Bremen 19% ihres Trinkwassers erhält. Entsprechend eines Gutachtens der Universität Bremen besteht der Verdacht, dass diese Wasserentnahme zu einer großräumigen Absenkung des Grundwasserspiegels geführt und dem Halsebach mehr und mehr das Wasser entzogen hat.
Es ist also jeder Einzelne gefordert seinen Wasserverbrauch zu senken, um die Verfügbarkeit dieser wichtigen Ressource auch für zukünftige Generationen zu sichern.
Mit Unterstützung des Senators
für Bau, Umwelt und Verkehr führt der BUND Untersuchungen zu
Trinkwasser-Einsparmöglichkeiten in verschiedenen öffentlichen
und privaten Betrieben und Institutionen durch. Durch einfache
technische Maßnahmen kann viel Trinkwasser und damit Geld gespart
werden. Solche Maßnahmen rechnen sich, denn das Wasser in Bremen
hat seinen Preis: 4,85 Euro kostet ein Kubikmeter Wasser (inklusive Abwasserentsorgung).
Um bis zu 32% konnte der Wasserverbrauch in den untersuchten Einrichtungen
gesenkt werden. Beachtliche Einsparungen lassen sich häufig schon
durch die Installation von Durchflussbegrenzern in Waschbeckenarmaturen
und die Umrüstung
der Toilettenspülungen erzielen.
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Wasserversorgung in Entwicklungsländern
In den meisten Entwicklungsländern ist der Bedarf an sauberem Trinkwasser und die Nutzung zur Nahrungsmittelproduktion in der Landwirtschaft weit höher als das Wasserangebot durch Flüsse oder Niederschläge. Besonders in ländlichen Regionen, wo geringe Niederschlagsmengen nur eine Ernte im Jahr ermöglichen, ist permanenter Wassermangel eine erhebliche Ursache für Armut. Derzeit besteht laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) für weltweit 1,2 Mrd. Menschen kein Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Vereinten Nationen haben sich mit den Millenniumsentwicklungszielen vorgenommen, diesen Anteil bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
Neben den geringen Niederschlägen besteht das Problem in Entwicklungsländern oftmals darin, dass eine konventionelle zentrale Wasserversorgung durch staatliche oder kommunale Behörden erfolglos geblieben oder wegen zu großer Distanzen unmöglich ist. Die BORDA erreicht seit Jahren gute Erfolge in der dezentralen Wasserversorgung ländlicher Gebiete. Dabei wird Wasser aus Flüssen oder Bächen - mittels Gebrauch erneuerbarer Energie - zu höhergelegenen Dörfern gefördert. Neben der Nutzung in Haushalten können so durch Schwerkraftbewässerung zusätzliche Ernteerträge erzielt werden. Die Organisation, der Betrieb und die Wartung der Anlagen wird von Nutzergemeinschaften durchgeführt.
![]() Der HydRam fördert Wasser ohne konventionelle Energie. (Maharashtra, Indien) |
![]() Kurz vor der Ernte in der Trockenzeit! Zusätzliche Erträge werden durch angepasste Technologien möglich. (Maharashtra, Indien) |
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Abwasserentsorgung in Bremen
Sobald Trinkwasser verbraucht wird, ist es Abwasser, das gereinigt werden muss, bevor es dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zugeführt wird. In Bremen ist Hansewasser als eines der ersten privatisierten Abwasserunternehmen seit 1999 für die Abwasserentsorgung zuständig. Hansewasser betreibt das 2.300 km lange Bremer Kanalnetz und reinigt auf zwei Kläranlagen jährlich rund 60 Mio m³ Abwasser aus Bremen und benachbarten Gemeinden. In Bremen wird das Wasser zumeist über einen Mischwasserkanal (Abwasser und Regenwasser fließen in einen Kanal) den Kläranlagen in Farge und Seehausen zugeführt. Es gibt in einigen Stadtteilen auch getrennte Kanalsysteme, in denen das Regenwasser in einen Regenwasserkanal fließt und von dort in ein Gewässer eingeleitet wird sowie einen Kanal, in dem nur das Abwasser gesammelt und in die Kläranlage transportiert wird.
Kläranlagen in Seehausen und Farge
Die Abwasserreinigung wird in den Kläranlagen Seehausen und Farge durchgeführt. In der ersten Stufe einer Kläranlage, der mechanischen Abwasserreinigung, werden durch Rechen, Sandfang und Absetzbecken oder Vorklärbecken grobe Bestandteile, Sand und absetzbare Stoffe abgetrennt. Die zweite Stufe, die biologische Abwasserreinigung, bringt die restlichen gut löslichen Abwasserbestandteile in Kontakt mit Mikroorganismen, die vom Abbau der organischen Verbindungen leben und sich dabei vermehren (Belebtschlamm). Kommunale Abwässer und viele Industrieabwässer, die in der Regel und überwiegend organische Belastungen enthalten, müssen heute zumindest biologisch behandelt werden. Sind die Abwässer besonders stark verschmutzt oder werden sie in leistungsschwache Gewässer oder in Seen eingeleitet, reichen biologische Verfahren allein nicht aus. Die Abwässer müssen dann "weitgehend" (in Anlagen der "weitergehenden Abwasserreinigung") behandelt werden. Bezogen auf den Biochemischen Sauerstoffbedarf (BSB) liegt die Reinigungswirkung der ersten zwei Stufen der Kläranlagen bei 90-95%. Die Entfernung der restlichen 5-10% und der Stickstoff- und Phosphorverbindungen erfolgt in der weitergehenden Abwasserreinigung (dritte Reinigungsstufe). Diese Art der Abwasserreinigung wird auch end-of-pipe Technologie genannt, da die Reinigung nach der Vermischung aller Wässer erfolgt.
Probleme des bestehenden Entsorgungssystems
Die Art und Weise, wie unsere Siedlungen entwässert werden, geht zurück auf Grundsatzentscheidungen des letzten Jahrhunderts. Heute werden jedoch auch die Nachteile dieses in Jahrzehnten gewachsenen Abwassermanagements erkannt: Erstens gehen wertvolle Düngestoffe - vor allem Kalium und Phosphor - durch Verdünnung verloren und können damit von nachfolgenden Generationen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Dies wäre aber nötig, denn die noch vorhandenen abbauwürdigen Phosphor- und Kalivorkommen sind begrenzt. Sinnvoller wäre eine Kreislaufnutzung dieser Nährstoffe. Zweitens ist die Vielfalt der in der Zentralkläranlage ankommenden Stoffe enorm. Zwar wird die Reinigungsleistung kommunaler Kläranlagen stetig verbessert, dennoch kommt es allmählich zu einer Anreicherung der Gewässer mit Nähr- und Schadstoffen. Drittens entsteht bei der Reinigung des Abwassers Klärschlamm. Die Menge an Klärschlamm wächst mit der Verbesserung der Kläranlagen. Diesen zu "entsorgen" oder weiter zu verwerten, wird zu einem immer größeren Problem: Als Dünger in der Landwirtschaft ist er nur begrenzt geeignet, nicht zuletzt deshalb, weil zu befürchten ist, dass Schadstoffe aus dem Klärschlamm über Boden und Pflanze in die Nahrungskette gelangen.
Besonders problematisch für die Umwelt und den Menschen sind:
§ eutrophierende Substanzen wie Stickstoff und Phosphor, die zu einer Überdüngung der Gewässer und damit zum "Umkippen" führen können und einen hohen Reinigungsaufwand erfordern,
§ Restkonzentrationen von Arzneimitteln, die zum einen zu einer Verweiblichung der aquatischen Tierwelt führen können oder aber auch die Bildung von Resistenzen gegenüber Antibiotika fördern.
Wasser aus dem Ablauf einer Kläranlage muss in Deutschland strenge Grenzwerte einhalten. Es ist gereinigt, aber noch längst nicht sauber: Die Restkonzentrationen an Nährstoffen sind häufig problematisch und die erhöhten Keimzahlen in Kläranlagenabläufen führen dazu, dass in der Nähe von Kläranlagen nicht gebadet werden darf, weil die EG-Badegewässerrichtlinie nicht eingehalten werden kann.
Nachhaltige Wasserwirtschaft
Eine nachhaltige Wasserwirtschaft hat eine Kreislaufführung von Wasser und Nährstoffen zum Ziel. Dies ist mit dem bestehenden System einer zentralen Kläranlage nicht realisierbar. Es gibt aber bereits Modellprojekte und Techniken, die auch für häusliche Abwässer eine Wiederaufbereitung möglich machen. Wichtig ist schon heute, möglichst wenig Schadstoffe in das Abwasser gelangen zu lassen und möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. Niederschlagswasser sollte dort versickern, wo es anfällt und nicht aufwendig zur Kläranlage transportiert und dort gereinigt werden.
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Abwasserentsorgung in Entwicklungsländern
Dem steigenden Wasserverbrauch steht in Entwicklungsländern ein Anstieg von ungereinigter Ableitung des Abwassers gegenüber. Die WHO gibt an, dass weltweit 90% des produzierten Abwassers ungenügend behandelt oder unkontrolliert in den Wasserkreislauf zurückgeleitet wird. In den Entwicklungsländern sind daher 80% der Krankheiten und 25% der Todesfälle auf kontaminiertes Wasser zurückzuführen. Kritisch ist die Situation in urbanen Ballungsgebieten. Neben der Verschmutzung von (Trink-)Wasser und Umwelt durch Industriebetriebe, fließt besonders in Slum- und Arbeitersiedlungen ungereinigtes Haushaltsabwasser offen durch die Strassen, wo es dann meist irgendwo versickert.
Wie bei der Wasserversorgung in ländlichen Regionen, so schlugen Versuche von staatlichen oder kommunalen Behörden fehl, das Abwasser der Städte durch große zentrale Kläranlagen zu behandeln. Ursache dafür sind die untragbar hohen Kosten von langen Kanalsystemen, eine zu anfällige Technik sowie hohe Personal- und Wartungskosten. Eine Lösung ist auch hier ein dezentraler Ansatz zur Abwasserbehandlung. Die BORDA verbreitet seit Jahren solche dezentralen Abwasserbehandlungssysteme (engl.: Decentralized Wastewater Treatment Systems = DEWATS). Dabei wird das Abwasser mit DEWATS-Einheiten direkt dort behandelt wo es entsteht. Dies können kleinere und mittlere Unternehmen, Wohngebiete, Krankenhäuser, Schulen oder Hotelanlagen sein. Wichtig für eine großflächige Verbreitung ist, dass die Wartung von DEWATS - Anlagen für die Nutzer bezahlbar ist, keine anfällige Technologie verwendet wird und die Abwässer nach den erforderlichen Schadstoffnormen gereinigt werden, so dass das behandelte Wasser wieder dem Wasserkreislauf zugeführt oder zur Bewässerung verwendet werden kann.
![]() Gefährlicher Umgang mit Abwasser. (Nagpur, Indien) |
DEWATS - Anlage im Bau. Abwasserbehandlung für einen Krankenhauskomplex. (Karnataka, Indien) |
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Sanitäre Grundversorgung in Entwicklungsländern
In urbanen Ballungsgebieten von Entwicklungsländern ist die sanitäre Grundversorgung (Toiletten, Bade- und Waschplätze) der Bevölkerung besonders in Armensiedlungen nach unseren Maßstäben meist menschenunwürdig. Toiletten und Waschplätze sind meist verfallen und absolut unhygienisch oder überhaupt nicht vorhanden. Die Einleitung des Abwassers erfolgt direkt auf die Strasse oder in Bäche, die durch Wohnviertel fließen. Eine Situation, die sowohl umweltbelastend als auch gesundheitsgefährdend und für die Anwohner demütigend ist.
Die WHO gibt an, dass weltweit 2,6 Mrd. Menschen ohne eine sanitäre Grundversorgung leben. Die Vereinten Nationen haben sich in den Millenniumentwicklungszielen vorgenommen, für 100 Millionen Menschen, die in Slums leben, den Zugang zu einer sanitären Grundversorgung zu verbessern.
Die meisten kommunalen Versuche zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in Slumgebieten durch Toilettenanlagen und Waschplätze sind fehlgeschlagen. Die BORDA verbreitet seit Jahren ein partizipatives Modell von Gemeinschaftssanitäranlagen für jeweils etwa 250 Haushalte, bestehend aus Toiletten, Bade- und Waschräumen sowie einer Trinkwasserversorgung. Bei diesen "Community Sanitation Centers" (CSC) erfolgt die Abwasserbehandlung direkt vor Ort durch eine integrierte unterirdische dezentrale Abwasserbehandlungsanlage (engl.: Decentralized Wastewater Treatment Systems = DEWATS). Wichtig für den nachhaltigen Erfolg ist die Beteiligung der Nutzer bei Planung und Verwaltung. Durch eine geringe Nutzungsgebühr wird die zuverlässige Reinigung und Wartung der Anlage gewährleistet.
![]() Toiletten in Arbeitersiedlungen: ein typisches Bild! (Indien) |
![]() Toiletten und Waschplätze für 250 Haushalte einer Arbeitersiedlung (Ostjava, Indonesien) |
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Privatisierung
Allgemeines
Unter dem Begriff Wasserprivatisierung zeichnet sich eines der größten Konfliktfelder der Zukunft ab. Für die global players der Wasserindustrie ist der Rohstoff nicht länger Allgemeingut, sondern verkommt zur Handelsware und zum Spekulationsobjekt. Daher wird Wasser wahlweise als das Gold oder Öl des 21. Jahrhunderts bezeichnet.
In Deutschland verspricht man sich vom Übergang von kommunalen, bedarfsdeckend arbeitenden Wasserversorgern zu privaten Konzernen u.a. einen günstigeren Endpreis. Den Beweis bleiben die Konzerne jedoch regelmäßig schuldig. In einigen Kommunen ist es durch Bürgerengagement gelungen, eine solche Privatisierung zu verhindern. Aber im politischen Raum finden sich stark divergierende Interessen. Noch 2001 warnte die damalige Bundesregierung vor den negativen Folgen einer Privatisierung für eine nachhaltige Wasserwirtschaft. Demgegenüber forciert die EU über die GATS-Verhandlungen (GATS = General Agreement on Trade in Services) den Übergang zur Privatwirtschaft - ähnlich wie auf globaler Ebene Weltbank und IWF (Internationaler Währungsfonds).
Während die Privatisierungsfolgen in den Industrienationen meist im Hinblick auf den Verbrauchspreis und neu entstehende Abhängigkeitsverhältnisse erörtert werden, geht es in Entwicklungsländern neben der Preisfrage besonders um möglichst flächendeckende Verfügbarkeit und Wasserqualitäten. Und gerade unter diesen Aspekten ist die bisherige Privatisierungspolitik alles andere als eine Erfolgsstory.
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Wasserprivatisierung in Bremen
1873 wurde das als "umgedrehte Kommode" bekannte Wasserwerk auf dem Werder fertig gestellt, um die Bremer mit gereinigtem Flusswasser zu versorgen.
Viele Bremer/innen wissen, dass ihr Trinkwasser aus bremischen und niedersächsischen Grundwasserquellen kommt. Aber wer liefert das Trinkwasser? Waren das nicht einmal die Stadtwerke? Die früheren Stadtwerke Bremen wurden 1999 zur neuen swb Aktiengesellschaft. Vor dem Hintergrund der Öffnung der Energiemärkte gliederte die swb AG die Bereiche Erzeugung, Netze und Vertrieb in eigenständige Gesellschaften aus. Mit der Verwandlung zum Konzern erweiterte sich auch die Geschäftstätigkeit: unter anderem durch die Akquisition der Stadtwerke Bremerhaven, die Beteiligung an den Stadtwerken Soltau und Bielefeld sowie dem anteiligen Erwerb der Abfall- und Abwasserversorgung der Bremer Entsorgungsbetriebe.
Die Neugestaltung der Aktionärsstruktur
ist ein weiterer Meilenstein: Nach einer ersten Teilprivatisierung im
Jahr 1995 überträgt die Freie Hansestadt Bremen im Juni 2000
ein Aktienpaket von 51% an die deutsche Holding des niederländischen
Konzerns Essent. Die verbleibenden 13,4% der Stimmrechte an der swb AG
veräußert Bremen im August 2004 an den Oldenburger Energieversorger
EWE, der 2003 die bis dahin von E.ON Ruhrgas gehaltenen Anteile übernommen
hatte.
(Stand: swb 2006). Somit sind die Stimmrechtsanteile folgendermaßen
verteilt: Deutsche Essent GmbH 51%, EWE Aktiengesellschaft 49% und eine
Aktie nur hält die Bremer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (BVV).
Ein erster Vorgeschmack davon, was eine fast vollständige Privatisierung
eines Energielieferers bedeuten kann, ist die drastische Erhöhung
der Gaspreise 2005 und 2006. Auch in anderen deutschen Städten wurde
das Trinkwasser privatisiert oder es laufen Vorbereitungen dazu. Die Organisationen,
die sich dagegen engagieren, haben sich zum Netzwerk "Wasser in Bürgerhand"
zusammengeschlossen. So erreichte zum Beispiel das Hamburger Netzwerk
"UnserWasserHamburg" durch ein Volksbegehren, dass die öffentliche
Wasserversorgung vollständiges Eigentum der Freien und Hansestadt
Hamburg bleibt.
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Wasserprivatisierung weltweit
"Wasser, die ,Quelle des Lebens' droht ganz allmählich zu einer der wichtigsten ,Quellen des Profits' zu werden - als eine der letzten Fundgruben der Kapitalanhäufung", so Riccardo Petrella in seinem Buch "Wasser für alle". Noch in den 1980er Jahren beschränkten sich die großen privaten Wasserversorgungsunternehmen auf ihre einheimischen Märkte in Frankreich und Großbritannien. Seither weiten sie ihre Aktivitäten immer stärker in die Entwicklungsländer aus. So ist das französische Unternehmen Suez/Ondeo in 130 Ländern aktiv, Vivendi/General des Eaux in über 100 Ländern.
Aus Deutschland sind die Konzerne E.ON und RWE global vertreten. RWE hat im Jahr 2000 das britische Thames Water gekauft, ist aber gerade dabei, den Wasserbereich wieder abzustoßen.
Die Übernahme der Trinkwasserversorgung verspricht für die Konzerne enorme Gewinne, weil Wasser ein knappes Gut ist und die Menschen darauf nicht wie auf ein anderes Lebensmittel einfach verzichten können. Das Wirtschaftsmagazin "Fortune" schreibt, dass der Rohstoff im 21. Jahrhundert das ist, was Erdöl im 20. Jahrhundert war. Die Weltbank und der Weltwährungsfonds forcieren den Verkauf der Wasserversorgung in den armen Ländern des Südens an internationale Konzerne, weil sie davon ausgehen, dass die Konzerne ein Interesse an der Instandsetzung und Erhaltung der Leitungen haben und eine flächendeckende Wasserversorgung gewährleisten. Sie definieren Wasser als Wirtschaftsgut, bei dem der Wasserpreis sich am Markt nach Angebot und Nachfrage orientiert.
Die Kritiker einer Privatisierung führen zahlreiche misslungene Beispiele der Übernahme der Wasserversorgung durch internationale Konzerne an. So wurde 1997 die Wasserversorgung der 11 Millionenstadt Manila an die Konzerne Suez und Bechtel verkauft. Die Konzerne versprachen, innerhalb von 10 Jahren alle Bewohner/innen an das Netz anzuschließen und den Wasserpreis zu halbieren. Geschehen ist das Gegenteil. Nach drei Monaten kletterte der Tarif auf das Vierfache. Hohe Gehälter für ausländische Fachkräfte verhinderten Investitionen in das lecke Leitungssystem, der Wasserdruck sank und es gab im Jahr 2003 sogar wieder Choleraerkrankungen. Dadurch, dass in die maroden Leitungen nicht investiert wurde, kam es zu immer mehr Wasserverlusten und somit stiegen die Einnahmen nicht.
Die Nichtregierungsorganisationen, die sich auf den Philippinen gegen die Wasserprivatisierung durch Großunternehmen engagieren, schlagen vor, dass die Bewohner durch die Gründung von Wassergenossenschaften Anteile an der Versorgung erwerben. Solche Modelle funktionieren in Kenia und Uganda sehr gut. Gewählte Wasserkomitees verwalten den Fonds, regeln die Nutzung des Wassers und vermitteln in Konflikten. Sie sorgen dafür, dass auch Menschen ohne Einkommen Wasser bekommen und gründen Beratungsbüros, um über pestizidfreie Landwirtschaft oder Pflanzen, die weniger Wasser benötigen, zu informieren.
In entlegenen ländlichen
Regionen von Entwicklungsländern ist es für staatliche oder
kommerzielle private Versorgungsunternehmen oft unmöglich oder finanziell
unrentabel, eine angemessene Wasserversorgung zu
gewährleisten. Dies gilt umso mehr für die niederschlagsfreien
Jahreszeiten. Gute Erfolge konnten hier im Rahmen von Entwicklungsprojekten
mit Modellen der dezentralen Wasserversorgung gemacht werden, die die
Trinkwasserversorgung und besonders die zusätzliche Bewässerung
von Feldern in den regenarmen Jahreszeiten verbessern. Eigentümer
und Betreiber dieser dezentralen privaten Anlagen sind dörfliche
Wassernutzerkomitees, die von lokalen ausgebildeten Nichtregierungsorganisationen
in der Rolle als Dienstleister/in betreut werden. (Siehe auch: Wasserversorgung
in Entwicklungsländern)
Ähnliche private dezentrale
Modelle zeigen auch in den Bereichen der urbanen Abwasserbehandlung und
der sanitären Grundversorgung sehr gute nachhaltige Wirkungen. In
diesen Sektoren ist ein Engagement von kommerziellen Unternehmen ebenfalls
noch nicht gewinnbringend. So sind hier meist die Nutzer selbst die Eigentümer
und Betreiber der Anlagen.
Je nach Nutzung sind dies kleine und mittelständische Unternehmen,
Krankenhäuser oder Siedlungsgemeinschaften, die auch für die
Wartung verantwortlich sind. Teilweise konnten auch Kommunen als weitere
Beteiligte gewonnen werden, die z.B. Teile der Baukosten übernommen
haben. (Siehe auch Abwasserbehandlung und Sanitäre Grundversorgung
in Entwicklungsländern)
![]() Frauen am Brunnen |
![]() Brunnenbau in Burkina Faso |
![]() Burkina-Frau pumpt Wasser |
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Gewässerschutz
Allgemeines
Große Teile der Erde sind
vom Wasser bedeckt, wobei dies besonders auf der Südhalbkugel der
Fall ist.
Die Wasservorkommen der Erde belaufen sich auf circa 1.386 Millionen km3,
wovon allein ca. 97% aus dem
Salzwasser der Weltmeere besteht. Nur ca. 3% des irdischen Wassers liegen
als Süßwasser vor.
Gewässer - Flüsse, Seen, Meere - sind verschiedensten Nutzungen ausgesetzt. Ziel des Gewässerschutzes ist, überall Gewässer mit guter ökologischer Qualität zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Es muss also verhindert werden, dass eine massive Nutzung der Gewässer stattfindet und es zu Schadstoffeinleitungen kommt. Daneben müssen die Gewässer, ihre Ufer und ihr Umfeld so erhalten bzw. wieder gestaltet werden, dass sich die für den jeweiligen Naturraum typischen Lebensgemeinschaften dort entwickeln können.
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Nordsee
Die
Meeresumwelt ist ein kostbares Gut. Ozeane und Meere bieten 99% des auf
unserem Planeten verfügbaren Lebensraums, bedecken 71% der Erdoberfläche
und enthalten 90% der Biosphäre. Sie beherbergen somit mehr biologische
Vielfalt als Land- und Süßwasserökosysteme. Meeresökosysteme
spielen auch eine Schlüsselrolle in Klima- und Wettermodellen. Die
Meeresumwelt ist aber nicht nur unabdingbare Voraussetzung für das
Leben auf der Erde, sondern auch ein wichtiger Faktor für wirtschaftlichen
Wohlstand, soziales Wohlergehen und Lebensqualität.
Die Nordsee vor unserer norddeutschen
Küste ist ein einzigartiges Ökosystem. Mit Riffen, Sandbänken,
tiefen Rinnen, Felsinseln und dem Wattenmeer umfasst es faszinierende
schützenswerte Lebensräume. Der enorme Nutzungsdruck macht
die Nordsee jedoch zur größten Abfallsenke Nordeuropas. Ein
großer Teil dessen, was Millionen Anlieger produzieren oder verbrauchen,
gelangt über Flüsse und Luft im Meer. Die Meeresumwelt ist durch
Tankerhavarien mit tausenden Tonnen Öl und hochgiftigen Chemikalien
belastet. Hunderte von sterbenden Seehunden und Vögel sind die Folge.
Auf und an den Meeren wird ein riskantes Spiel um Sicherheit und Sauberkeit
getrieben und das Meer bis an seine Grenzen ausgebeutet.
So hat die Fischerei die Kabeljaubestände bis an den Rand des Zusammenbruchs
gebracht.
Und die Nordsee wird noch auf andere Art und Weise durch verstärkte Nutzungen belastet: neben Fischerei, Schifffahrt und Ölförderung, auch durch Wind-Offshore Parks, Tourismus, Kabeltrassen, Militär, Sand- und Kiesentnahme und anderes mehr. Zu den Auswirkungen der Nutzungen informiert die Aktionskonferenz Nordsee auf verschiedensten Veranstaltungen.
Ziel des WASSERFORUMS ist es,
einen Beitrag zum Erhalt bzw. der Wiederherstellung der biologischen Vielfalt
und der natürlichen Prozesse des Meeres durch die Entwicklung von
politischen Strategien und Bewusstseinsbildung zu leisten.
Für den Nordseeschutz bedarf es eines umfassenden Modells, das die
Förderung der Ökologie sowie sozialer und kultureller Strukturen
einschließt.
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Unterweser
Direkt vor unserer Haustür
- und typisch für den Umgang mit unseren Flüssen:
die ehemals natürlichen Ufer sind verbaut und damit viele Wasserlebensräume
zerstört.
Die
Fließgeschwindigkeit der Unterweser ist im Interesse der Schifffahrt
durch Ausbau erhöht und der Fluss stark vertieft worden. Damit einhergehend
mussten weitgehend künstliche Ufer geschaffen werden, da natürliche
Sandufer abgeschwemmt würden. Arten der Flora und Fauna am und im
Fluss müssen eine hohe Toleranz gegenüber diesen Umweltbedingungen
haben, anspruchsvolle Vertreter wandern ab. Die Aktionskonferenz Nordsee
hat aus Umweltsicht dazu ein Positionspapier erarbeitet.
Aus der gesamten Weser wird kein Trinkwasser gewonnen. Für die Entsorgung von überschüssiger Wärme vor allem aus Kraftwerken wird Wasser entnommen und aufgewärmt wieder zurückgeführt. In die Unterweser werden außerdem kommunale und betriebliche Abwässer sowie belastetes Regenwasser eingeleitet. Beides belastet das Ökosystem stark.
Das Sediment in der Gewässersohle ist stark mit Schwermetallen angereichert, die aus dem ehemaligen Harzbergbau durch Auswaschung bis in die Weser gelangen. Im Sediment der Hafenanlagen findet man zusätzlich hochgiftige Anteile der Schiffsanstriche.
Bis zur Nordsee kann man eine hohe Konzentration von Pflanzennährstoffen im Wasser messen. Sie gelangen in erster Linie durch das Abschwemmen von unverbrauchten Düngemitteln der landwirtschaftlichen Flächen in den Fluss.

Wärmerückgabe vom Kraftwerk Hafen/Bremen, Unterweser
Es gibt keine Grenzwerte für
die Einleitung von Schadstoffen in Gewässer. Eine Begrenzung ist
nur
durch Einleiteerlaubnisse für kommunale oder industrielle Gewerbebetriebe
über Kosten geregelt.
Und wie weiter?
Die Europäische Union hat sich viele Gedanken um die Gewässer gemacht und im Jahr 2000 mit einer Richtlinie beschlossen, dass sie 2015 einen "guten Zustand" haben sollten. Das soll heißen: zwar ist klar, dass Menschen am Fluss leben und ihn nutzen, aber er sollte trotzdem als Lebensraum für Flora und Fauna intakt sein. So dürfen sich dann Schadstoffe nicht mehr wieder finden, die Gewässerstruktur sollte naturnah und der Fluss barrierefrei für wandernde Fische sein.
Ein hehres Ziel, das nur mit
intensiver Beteiligung der Öffentlichkeit erreicht werden kann! Das
WASSERFORUM
bemüht sich, dieses wichtige Gewässerschutzziel zu unterstützen
und eine Beteiligung von Bürger/innen zu fördern.
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Lebendige
Fließgewässer am Beispiel des Projektes "Renaturierung
Embser
Mühlengraben"
Der Embser Mühlengraben,
im Unterlauf Deichschloot genannt, ist ein etwa 15 km langes, nacheiszeitliches
Fließgewässer am östlichen Rand von Bremen. Seine Quelle
liegt nahe Achim-Embsen, sein Lauf erstreckt sich parallel der Autobahn
A27 und mündet bei Oberneuland in den Wümme-Südarm. Zur
Umgestaltung des Fließgewässers,hin zu einem naturnahen Zustand
wurde im Jahr 2000 der Arbeitskreis "Renaturierung Embser Mühlengraben"
gegründet. Durch Ausbau und Gewässerunterhaltung sind Lebensräume
und Struktur des Gewässers stark beeinträchtigt. Bei der Arbeit
im Projekt geht es um die Wiederherstellung alter Gewässerstrukturen,
einhergehend mit einer Verbesserung der Wasserqualität. Dazu gehören
die Anlage von Nebenrinnen, Flachwasserzonen und Auenbereichen sowie die
Förderung einer charakteristischen Vegetation.
Lebendige Fließgewässer
brauchen naturnahe Gewässerrandstreifen wegen
der wichtigen Funktionen und Wirkungen im Naturhaushalt, denn sie:
· verbinden das Gewässer mit der Umgebung
· schaffen Lebensraum und Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen
· filtern Schad- und Schwebstoffe mit Hilfe der Vegetation
· sorgen durch eine Beschattung
des Wassers mittels der Uferpflanzen für
ausgeglichene Wassertemperaturen
und höhere Sauerstofflöslichkeiten
· vermindern Abflussgeschwindigkeiten (Hochwasserrückhaltung!)
Die 1. Umgestaltungsmaßnahme wurde im März 2005 durchgeführt
und zwar auf einem etwa 600 Meter langen Bach-Abschnitt in Höhe des
Bultensees in Bremen-Tenever. Seit August 2007 findet sich dort auch eine
Informations- und Aussichtsplattform zu dem Projekt. 2009/2010 konnte
die 2. Umgestaltung durchgeführt werden und 2011, soll mit dem 3.
Streckenabschnitt begonnen werden, der länderübergreifend Bremen
und Niedersachsen betrifft. Insgesamt macht diese Strecke dann etwa 1.300
Meter naturnahes Gewässer aus.
Langfristig wird die komplette Renaturierung des Gewässers von der Quelle bis zur Mündung angestrebt. Unser Fokus liegt darin, Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe in die Öffentlichkeit zu rücken. Neben der BürgerInnenbeteiligung im Rahmen der Planungen bedeutet dies insbesondere die Beteiligung an der praktischen Projektumsetzung.
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Hochwasser
Allgemeines
Spätestens seit dem Elbehochwasser 2002 verbindet man mit dem Begriff "Hochwasser" vor allem einen deutlich über dem normalen Pegel liegenden Wasserstand. Er beschreibt aber auch den natürlichen höchsten Wasserstand der Gezeiten im Übergang von Flut zur Ebbe. Grundsätzlich sind Hochwasser Zeichen einer natürlichen Gewässerdynamik,ihre extreme Ausprägung der letzten Jahre weisen aber auf eine bedrohliche und beschleunigte Veränderung des weltweiten Klimageschehens hin.
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Klimaveränderung
Wir befinden uns in einer Phase der schnellsten Temperaturveränderung der Erdgeschichte. Diese ist keine überraschende Entwicklung, sondern das Produkt erwarteter anthropogener Einwirkung. Wir verstärken den natürlichen Treibhauseffekt durch eine umfangreiche Emission von treibhauswirksamen Gasen. Seit Beginn der Industrialisierung hat der Gehalt von Kohlendioxid um ca. 30%, von Methan um ca. 150% und von Lachgas um ca. 17% zugenommen. Hauptursache für die beobachtete Entwicklung ist mit 50% die Nutzung fossiler Brennstoffe. Aus der Chemieproduktion stammen knapp 20% des gesamten weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen, 15% stammen aus der immer intensiver betriebenen Landwirtschaft und 15% durch die Vernichtung der Wälder. Hält der Ausstoß der Treibhausgase auf heutigem Niveau an, wird die Erwärmung in 100 Jahren mehr als vier Grad Celsius betragen.
Der erhöhte Treibhauseffekt führt zu anderen Werten des Niederschlags, der Bewölkung, der Meereseisausdehnung, der Schneebedeckung, des Meeresspiegels und zu Wetterextremen. Diese Extreme sind zusammen mit dem Anstieg des Meeresspiegels für die Menschheit weltweit von besonderer Bedeutung.
Die Gefahr von Hochwasser wird steigen. Insgesamt müssen wir uns auf mehr Regenfälle einstellen, die sehr ungleich verteilt sein werden. In Nordwesteuropa wird es in wärmeren, trockeneren Sommern weniger regnen und dafür die Verdunstungsrate stark ansteigen. In den in Zukunft sehr viel feuchteren Wintern, in denen das Wasser nicht verdunstet, werden wir uns auf Hochwasser vorbereiten müssen.
Wir Menschen in den reichen Industrienationen stellen 20% der Bevölkerung und verbrauchen 80% der größtenteils fossil gewonnenen Energie. Die katastrophalen Folgen mit Wetterextremen wie starken Hochwasserereignissen aber tragen vor allem die Menschen in den südlichen armen Ländern. Wohlhabende Länder werden sich eher bei ansteigendem Meeresspiegel zum Beispiel mit verstärkten Deichen schützen können als zum Beispiel die Menschen auf den Malediven.

Das WASSERFORUM Bremen will
mit seiner Öffentlichkeitsarbeit darauf aufmerksam machen, dass vor
allem in den
reichen Industrienationen eine Umkehr in der Energie-, Landwirtschafts-
und Chemiepolitik einsetzt. Die USA als
größter Klima-Anheizer muss eindringlich ermahnt werden, endlich
durch Energieeffizienz ihre Emissionen zu drücken.
Den Schwellenländern, allen voran China, müssen Entwicklungsmöglichkeiten
aufgezeigt werden, nicht die gleichen
Fehler der Industrienationen zu wiederholen.
Wir können den Klimawandel nur mittelfristig bremsen, wenn es uns gelingt, auf die fossilen Energieträger weitgehend zu verzichten und auf Sonne, Geo, Wellen, Wind und Biomasse zu setzen. Und wenn uns im täglichen Leben gelingt, so effizient wie möglich mit Energie umzugehen.
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Flussausbau
Besucher anderer Kontinente fragen auf einer Unterweserschifffahrt in Bremen häufiger nach dem Beginn der eigentlichen Flusstour, denn einen solch verbauten Fluss würden sie eher als künstlichen Kanal identifizieren. Dieser Teil der Weser ist ein Lehrstück für Flussbauingenieure, denn die weitaus überwiegende Strecke besitzt keinen natürlichen Charakter mehr. Schon vor 130 Jahren begann man den Fluss so auszubauen, zu vertiefen und zu gestalten, dass ein gängiges Lastenschiff die 65 km Unterweser von der Nordsee bis nach Bremen gelangen konnte. Dieses Anliegen ist bis heute in den Grundzügen erhalten, wenn es auch inzwischen große Containerschiffe sind und viele in Bremerhaven abgefertigt werden. Aber auch dort wird der Fluss immer weiter ausgebaut.
Bei der Nutzung eines Flusses
haben die Anliegen der Schifffahrt sehr großes Gewicht. Mit den
Argumenten des
wachsenden Welthandels und der Arbeitsplatzsicherung sind unsere Flüsse
in hohem Maße überformt und ausgebaggert.
Bei der Unterweser heißt das: Ein Verlust von einem Drittel der
Uferlänge und einem Drittel der Wasseroberfläche durch Abtrennen
und Verfüllen von Altarmen und Nebengewässern. Die Ufer sind
zu 60% künstlich befestigt, ein großer Verlust für die
einst vielfältige Uferlebensgemeinschaft und die Selbstreinigungskräfte
des Flusses.
Weitere Konsequenzen waren hydrologische Veränderungen: Der Tidenhub (Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser) stieg um das Zehnfache auf 4,20 m, die Fließgeschwindigkeit erhöhte sich und die Sturmflutgefahr stieg an. Diese Liste lässt sich noch lang weiterführen, kommt dann letztendlich zu dem Schluss, dass für die Weser wie für die meisten Flusssysteme in Deutschland gilt:
Die Belastbarkeit des Flussökosystems ist überschritten. Die Schiffe müssen sich den Flüssen anpassen - nicht umgekehrt!

Das WASSERFORUM Bremen hat das
Ziel, diese Überbelastung immer wieder ins Blickfeld zu holen. Wir
dürfen uns weder daran gewöhnen, dass Flüsse ausgebaut
sind, noch zulassen, dass die nächsten Ausbaustufen als rein
technisches Verfahren durchgeführt werden ohne die Konsequenzen für
das Flussökosystem in vollem Umfang zu berücksichtigen. Auch
die steigenden Hochwassergefahren dürfen nicht in Kauf genommen werden.
Unsinnige Warenströme, bei denen ein Produkt bis zur Fertigstellung zigtausend Kilometer zurücklegt, müssen gestrafft und das Transportmittel Schiff umweltgerecht eingesetzt werden.
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Küstenschutz
Schon vor 1000 Jahren haben
in Nordwestdeutschland Holländer mit dem Deichbau - als Bollwerk
gegen Hochwasser - begonnen. Nicht nur die Meeresküste, auch die
Flussunterläufe wurden dabei nach und nach mit Deichen versehen.
Am Fluss sind sie eine Notwendigkeit für die nah siedelnden Menschen
als Schutz vor dem Tidenhochwasser. Für den Fluss selbst sind sie
allerdings eine Katastrophe, denn er wird von seiner Aue abgeschnitten.
Natürliche, unbegrenzte Flusssysteme haben eine Dynamik aus verschiedenen
Wasserständen mit einem wechselnden Gewässerbett.
Für eine Hochwassergefahr
ist Bremen ein typisches Beispiel. Die Stadt liegt zum überwiegenden
Teil unter dem mittleren Tidehochwasser der Weser und ist damit direkt
und bei jeder Flut von der Funktionstüchtigkeit der Deiche abhängig.
Da die Unterweser stark kanalisiert ist und bei Sturmflut die Sperrwerke
der Nebenflüsse verschlossen werden, wird das Wasser im Hauptstrom
gehalten. So erhöht sich zusätzlich der Wasserstand. 
Seit dem Mittelalter sind schwere
Orkanfluten dokumentiert, die in grob hundertjährigem Abstand an
die Nordseeküsten branden (So orientiert sich die Deichhöhe
entlang der norddeutschen Küste an der Hamburger Sturmflut 1962,
bei der 300 Menschen ums Leben gekommen sind). In der Bremer Region ist
seit längerer Zeit keine zerstörerische Sturmflut zu verzeichnen
gewesen. Trotzdem darf man sich auf den jetzigen Stand des Deichschutzes
nicht verlassen. Zum einen senkt sich Nordwestdeutschland, zum anderen
wird sich der Meeresspiegel durch den Klimawandel merklich erhöhen.
Es müssen Konzepte gesellschaftlich beschlossen und umgesetzt werden,
die ein Nebeneinander von Siedlungen, Wirtschaftsflächen und naturnahen
Flussläufen ermöglichen.
Das WASSERFORUM Bremen möchte
durch seine Aktionen darauf aufmerksam machen, dass für natürliche
Flusssysteme genug Raum vorgehalten werden muss. Aber da auf allen Kontinenten
Menschen sehr dicht am Wasser leben, ohne sich der Gewässerdynamik
bewusst zu sein, sind Konfliktsituationen mit Überschwemmungen schon
fast an der Tagesordnung.
In den weltweit betroffenen Regionen hat häufig gerade die ärmere
Bevölkerungsschicht keine andere Chance als den gewässernahen
Raum zu beziehen und sich dem Risiko auszusetzen. Das gilt für Bangladesh
genauso wie für New Orleans.
Der Klimawandel verstärkt die Situation erheblich. Hierfür müssen
die Industrienationen die Verantwortung übernehmen und die gefährdeten
Regionen in größtmöglichem Rahmen humanitär und technisch
unterstützen.







